Frequency - Erste Höhepunkte und Partylaune dank SDP und Alligatoah

St. Pölten (APA) - Das Gelände des Frequency-Festivals in St. Pölten hat sich gegen Samstagabend zum letzten Mal zu füllen begonnen. Musikal...

St. Pölten (APA) - Das Gelände des Frequency-Festivals in St. Pölten hat sich gegen Samstagabend zum letzten Mal zu füllen begonnen. Musikalisch gab es vor den Gigs der Headliner am Abend mit SDP und Alligatoah - beide aus Deutschland - zwei von den bereits Anwesenden bejubelte Bands zu sehen. Hier regierte jeweils der Spaß. Zur positiven Überraschung der „Aufwärmrunde“ gerieten die Briten Gengahr.

Mit Against Me! aus den USA enterte zuvor am Nachmittag einer der ersten der bekannteren Acts des Tages die Space Stage. Geboten wurde schnörkelloser Punkrock. Allzu groß geriet der Zuspruch für die Show um die Band von Laura Jane Grace, die vor ihrer Geschlechtsangleichung Tom Gabel hieß, bei strahlender Sonne zu dieser frühen Stunde aber noch nicht.

Wer dieser Show den Rücken kehrte und in die Halle der Weekender Stage wechselte, wurde dort mit Gengahr belohnt. Die britische Indie-Band hat erst im Juni ihr Debüt „A Dream Outside“ veröffentlicht. Mit diesem lieferte sie leicht verträumten und psychedelischen Gitarrenpop, der dank der unkonventionellen Songstrukturen und dem Falsettgesang von Frontmann Felix Bushe so eingängig wie unverkennbar ausfiel.

Als erster nachmittäglicher Publikumsmagnet erwies sich jedoch das Berliner Duo SDP, das auf der Green Stage mit Liveband zeigte, dass Partysound halt immer geht. Mit Songs wie „Mittelfinger“ („Ich hab gar nicht so viel Mittelfinger, wie ich zeigen will“) oder „Wenn ich groß bin“ („Ich kann fressen, ich kann fasten. Ich bleib‘ klein, wie die Löhne in Sachsen“) traf die 1999 gegründete Formation problemlos den Nerv der Anwesenden. Musikalisch gab es dazu einen Mix von Rock bis Hip-Hop serviert.

Mit zahlenmäßig geringerem Zuspruch mussten hingegen die Mad Caddies aus den USA auskommen, jedoch schwang so mancher Zuhörer zum schwungvollen Ska-Punk der Kalifornier sein Tanzbein. Da passte es, dass man gegen Ende des Auftritts gar volkstümliche Klänge vernahm - wohl ein Zugeständnis an das Gastgeberland.

Das Prädikat „erschütternd“ hat sich dafür eindeutig die Band Eskimo Callboy verdient. Das deutsche Gespann aus Nordrhein-Westfalen hüpfte viel und konnte wenig und lieferte Songs, die wie eine Mischung aus Hardcore und Kirtag-Disco klang. Dazu massig Trommelwirbel und ein grölender Frontmann namens Sebastian „Sushi“ Biesler. Dieser verlor manchmal scheinbar die Übersicht: „Ei, ei - Kevin, wo bist denn du?“ fragte dieser in Richtung eines Bandkollegen. Insgesamt der Soundtrack zur Alkoholvergiftung.

Ganz im Gegensatz dazu der Auftritt des deutschen Rappers Alligatoah. Statt der typischen Deutschrap-Beleidigungen setzt er auf satirisch-anspruchsvolle Texte, und das goutiert das Publikum. Der Bereich vor der Mainstage war bereits zum Brechen voll und die Lyrics bekannt. Egal ob „Trostpreis“ oder „Was der Bauer nicht kennt“ - beinahe jede Textzeile saß bei der Fangemeinde. Spektakulär war auch das Bühnenbild: Alligatoah in einem römischen Streitwagen, umgeben vom beflügelten Musiker-Himmelfahrtskommando, das Bombengürtel trägt. An Sozialkritik wurde nicht gespart, es gab Kritik an fanatischen Religionsauffassungen und Ausländerhass.

Die Abendstunden bieten dann wieder hochkarätiges aus allen Sparten und sind fest in der Hand von Musikern aus den USA. Angefangen von den einstigen Indiedarlings und Avantgarde-Rockern von TV On The Radio, den Düsterlingen Interpol über Hip-Hop-Größe Kendrick Lamar bis hin zu den Nu-Metal-Veteranen Linkin Park, deren Auftritt erst nach Mitternacht zu Ende sein wird.