Elektroautos: Massentauglichkeit erst in mehr als zehn Jahren
Der Chef des Retterwerks, Benedikt Margreiter, rechnet heuer mit einem Umsatzplus. Er glaubt, dass E-Autos noch etwas Zeit brauchen.
Sie gehen heuer von einem stagnierenden bis leicht wachsenden Automarkt in Tirol aus. Wie hat sich das Jahr bisher für das Retterwerk entwickelt?
Benedikt Margreiter: Bisher verlief es positiv. Der seit vier bis fünf Jahren anhaltende Aufwärtstrend setzt sich heuer fort. Ich rechne für das Gesamtjahr mit einem Umsatzwachstum im hohen einstelligen Prozentbereich. Das ist einerseits auf die neuen Modelle von Mercedes-Benz, Smart und Jeep zurückzuführen, andererseits haben wir die Herangehensweise an das Geschäft grundlegend verändert.
Retterwerk
Benedikt Margreiter ist gelernter Förster, absolvierte die Offiziersausbildung an der Militärakademie und war Kompaniekommandant in Salzburg. 2004 stieg er in die Autobranche ein. Seit 2010 ist er Geschäftsführer des Retterwerks, seit 1,5 Jahren Pkw-Vertriebschef der Pappas-Gruppe.
Inwiefern?
Margreiter: Ich bin ein Verfechter der aktiven Marktbearbeitung. Im Schauraum zu sitzen und auf Kunden zu warten, diese Zeiten sind vorbei. Wir präsentieren unsere Produkte bei großen Veranstaltungen und betreiben Telefonmarketing. Wir sind sehr aktiv, was Probefahrten angeht. Wer eine Hose kauft, probiert sie zuerst an, ob sie ihm passt. Genauso muss es bei unseren Fahrzeugen sein. Früher haben wir Kunden gebeten, sich in ein stehendes Fahrzeug im Schauraum zu setzen. Damals sicher ein probates Mittel, ein Auto zu präsentieren, heute ist das zu wenig. Es kann bei uns jeder alle Autos fahren, vom Smart bis zum 200.000 Euro teuren Mercedes. Das ist auch für das Autohaus Retterwerk wichtig, und ich möchte, dass wir als weltoffenes, freundliches Unternehmen gesehen werden.
Ein Thema der Branche sind alternative Antriebe. Welcher hat für Sie Zukunft?
Margreiter: Die Zukunft wird in der Elektromobilität liegen.
Wann wird das Elektroauto ein Produkt für den breiten Markt sein?
Margreiter: Mehrere Faktoren sind dafür verantwortlich, dass das Elektroauto noch nicht angekommen ist. Durch Klimaanlagen, Fensterheber, Servolenkung usw. haben sich die Kunden sehr an diese Komfortfeatures gewöhnt. Das alles frisst Energie und reduziert die Reichweite der Elektroautos. Zudem brauche ich ein Zweitauto, mit dem ich längere Strecken fahren kann. Dadurch ist Elektromobilität bisher unökologisch.
Zudem sind die Autofahrer gewohnt, an jeder Ecke eine Tankstelle zu finden.
Margreiter: Und das Laden eines Akkus dauert wesentlich länger als das Tanken. Es wird daher zu einer Änderung des Fahrverhaltens kommen, die Menschen werden deutlich vorausschauender fahren und ihre Routen besser planen. Schnelllade- und induktive Ladesysteme werden entwickelt. Der Akkutausch als Ladevariante wird aus meiner Sicht nicht funktionieren. Der Akku ist der teuerste Teil eines Elektroautos. Wenn ich meinen zwei Tage alten Akku gegen einen drei Jahre alten tausche, habe ich einen Leistungs- und Wertverlust.
Wann ist das Elektroauto massentauglich?
Margreiter: In Österreich wurden im vergangenen Jahr 1281 Elektroautos zugelassen. Das ist ein verschwindend geringer Anteil von 0,4 Prozent an den rund 303.000 neu zugelassenen Pkw. Erst wenn ein Drittel der Neuzulassungen pro Jahr E-Autos sind, dann ist meiner Meinung nach das Produkt angekommen. Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass das in den nächsten 10 Jahren passiert.
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