Segeln: Delle-Karth/Resch im Interview - „Noch paar Prozente drinnen“

Rio de Janeiro (APA) - Nach Platz vier bei den Sommerspielen 2012 in London hat Österreichs 49er-Duo Nico Delle Karth/Niko Resch mit Platz z...

Rio de Janeiro (APA) - Nach Platz vier bei den Sommerspielen 2012 in London hat Österreichs 49er-Duo Nico Delle Karth/Niko Resch mit Platz zwei in der Olympia-Segel-Testregatta vor Rio de Janeiro erneut Anwartschaft auf eine Medaille 2016 angemeldet. Die vielen Trainingstage im Olympiarevier machen sich bezahlt.

Im Interview mit der APA - Austria Presse Agentur berichteten der Tiroler Steuermann und sein Kärntner Vorschoter, welchen Stellenwert diese Platzierung hat, was noch zu tun ist, wie die weitere Regattaplanung aussieht und wie es um die Wasserqualität vor Rio bestellt ist.

APA: Wie wichtig war es Ihnen, auch im Medal Race die Top-Leistungen in den Wettfahrten zuvor zu bestätigen?

Delle Karth/Resch: „Sehr wichtig. Das Medal Race hat immer einen speziellen Charakter, es sind nur noch die Top-10 am Kurs, es geht um doppelte Punkte, die Anspannung ist definitiv größer, es heißt schließlich nicht umsonst Medal Race.“

APA: Gesegelt wurde die Regatta im kleinen, hochkarätigen Feld, das es auch bei Olympia sein wird. Was bedeutet dieser zweite Platz ein Jahr vor den Sommerspielen?

Delle Karth/Resch: „Er bestätigt unseren Weg und die Arbeit des gesamten Teams. Wir werden ja nicht nur segelspezifisch, sondern auch psychologisch und meteorologisch täglich auf ?s Neue eingestellt, hinzu kommt die physische Komponente. Sämtliche Zahnräder müssen ineinandergreifen, anders kannst du in einem so selektiven Revier wie diesem nicht bestehen.“

APA: Was sind die Lehren aus dem Rio-Testevent?

Delle Karth/Resch: „Je weniger dem Zufall überlassen wird, umso besser. Man hat gesehen, dass jeder einzelne Segeltag vor Ort doppelt zählt. Wer hier nicht Seemeilen frisst, hat keine Chance.“

APA: Wo gilt es noch anzusetzen?

Delle Karth/Resch: „Im Materialbereich steht uns noch einiges an Entwicklungsarbeit ins Haus und generell sind in allen Bereichen noch ein paar Prozente drinnen. Das Ziel muss sein, das Verständnis für die Gegebenheiten vor Ort zu maximieren. Die Guanabara-Bucht ist aufgrund ihrer Topografie sowohl strömungstechnisch als auch windtaktisch eine echte Challenge. Wir sind auf einem guten Weg, aber noch nicht am Ziel.“

APA: Es wird auf sechs Bahnen gesegelt, wir schwierig ist es, sich auf die doch sehr unterschiedlichen Bedingungen einzustellen?

Delle Karth/Resch: „Die Herausforderung ist, dass jede einzelne Bahn anders ist. Draußen hast du meterhohe Dünungswellen, drinnen zig verschiedene Strömungskanten und lokal differente Winde.“

APA: Wie viele Trainingslager sind vor Olympia im Rio-Revier noch geplant?

Delle Karth/Resch: „Heuer sind wir noch im September vor Ort, 2016 folgen je dreiwöchige Trainingsblöcke im Mai, Juni und Juli.“

APA: Hat sich die Wasserqualität gebessert, wurde der Müll weniger?

Delle Karth/Resch: „Optisch hat sich die Qualität auf jeden Fall gebessert, wir haben zumindest schon lange keine Eiskästen herumtreiben gesehen. Vom Idealzustand sind wir dennoch weit entfernt, denn die bakterielle Verschmutzung dürfte nach wie vor ein Problem sein. Auch beim Testevent sind einige Segler ernsthaft erkrankt. Wasserkontakt mit offenen Wunden ist definitiv nicht ratsam, auch den Mund sollte man besser geschlossen haben. Wir hoffen sehr, dass sich das ändert, vor allem für jene, die hier leben.“

APA: Wie sieht die weitere Regattaplanung aus?

Delle Karth/Resch: „Wir fliegen am Montag nach Hause, haben dann vor Neusiedl die nationale Meisterschaft. Am 9. September kehren wir für ein dreiwöchiges Trainingslager nach Rio zurück. Im Oktober folgt ein Training im WM-Revier von Buenos Aires, Ende Oktober starten wir beim Weltcupfinale in Abu Dhabi. Im November segeln wir die WM in Argentinien, anschließend sind wir für ein paar Wochen daheim, um die Akkus wieder aufzuladen.“

(Anmerkung: Das Interview wurde per E-mail geführt)