„Engadiner Almwirtschaft bei Förderungen im Vorteil“
100 Bauern der Terra-Raetica-Region trafen sich zu Erfahrungsaustausch im Grenzgebiet Scuol-Paznaun. Zusammenarbeit soll ausgebaut werden.
Landeck, Scuol, Ftan –Kuhglocken bimmeln auf den gepflegten Weiden, am Dach der Almhütte weht die Schweizer Fahne. Die Milch fließt per Pipeline ins Tal, wo sie in der Biosennerei zu Käse verarbeitet wird. Bei den Konsumenten sind die Almprodukte gefragt – auch wenn ein Kilo Käse je nach Reife 20 bis 25 Schweizer Franken kostet.
„Hier oben funktioniert ja alles wie am Schnürchen.“ Diesen Eindruck mussten kürzlich zahlreiche Besucher aus den Bezirken Landeck und Imst auf der malerischen Engadiner Alp Laret (2202 m) in Scuol/Ftan gewinnen.
Dort trafen sich rund 100 Bauern und deren Standesvertretung zur Almbegegnung der Terra-Raetica-Region, organisiert vom Regionalmanagement regioL und regionalen Verbänden. Zweck der Übung: Meinungs- und Erfahrungsaustausch, diskutiert wird über mögliche grenzüberschreitende Projekte. Von der Alp Laret aus sind bereits die Gipfel der Silvrettagruppe im Paznaun zu sehen. Die Almwirtschaft diesseits und jenseits des Futschölpasses an der Grenze Österreich-Schweiz könnte aber unterschiedlicher nicht sein.
„Weil die Betriebe über ihre Produkte zu wenig Einnahmen haben, gibt es Sömmerungsbeiträge“, erläutert Riet Pedotti vom Amt für Landwirtschaft in Chur. 400 Franken gibt es pro Kuh für 100 Sömmerungstage. Macht in Summe 22 Mio. Franken im Kanton Graubünden. Dazu kommen fünf Mio. Franken für so genannte Biodiversität, Förderungen für Kulturlandschaftspflege sowie Abgeltungen von Raubtierschäden im Rahmen des Herdenschutzprogrammes.
Übrigens bekommen die Bauern derzeit 78 Rappen (ca. 75 Cent) für ein Kilo Milch, in Tirols gibt es 30 Cent. Zwei Drittel der Unterengadiner Landwirte führen ihren Betrieb im Vollerwerb, im Bezirk Landeck weniger als zehn Prozent. Freilich subventionieren die helvetische Republik und der Kanton Graubünden die Almwirtschaft mit bis zu 70 Prozent der Gesamtkosten. Die Herausforderung der Almbauern hat einer von ihnen so definiert: „Es geht darum, die Balance zwischen den Produkten und den Erwartungen der Konsumenten zu halten, wobei der Tourismus ein wichtiger Faktor ist.“
„Die Schweizer haben ein einfacheres System bei den Förderungen als wir“, resümierte der für Landeck und das Außerfern zuständige Regionsleiter Andrä Neururer von der Bauernkammer. Die Abgeltung der Tiroler Almbauern sei zwar „nicht ganz schlecht“, der Verwaltungsaufwand sei jedoch enorm: „Die EU verlangt eine Bewertung der Almfutterflächen. Weil selbst die Kontrollore die Flächen unterschiedlich gesehen haben, ist es in der Vergangenheit zu widersprüchlichen Vermessungen gekommen. Bekanntlich hat die AMA (Anm.: Agrarmarkt Austria Marketing) bei unseren Almauftreibern hohe Rückzahlungen von Fördergeldern eingefordert.“
Laut Lebensministerium in Wien gibt es 62 Euro pro aufgetriebener Kuh. Dazu kommen u. a. Flächen- und Alpungsprämien, ein Behirtungszuschlag sowie Ausgleichszulagen für die Erschwerniszonen.
Die Tagung endete mit dem Bekenntnis der Regionsvertreter zur Fortsetzung der grenzüberschreitenden Kooperation und der gemeinsamen Projektarbeit. (hwe)
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