Forum Alpbach startete offiziell mit „Tiroltag“- Flüchtlinge im Fokus

Alpbach (APA) - Der traditionelle „Tiroltag“ hat am Sonntag den offiziellen Startschuss für die 71. Auflage des Europäischen Forum Alpbach i...

Alpbach (APA) - Der traditionelle „Tiroltag“ hat am Sonntag den offiziellen Startschuss für die 71. Auflage des Europäischen Forum Alpbach im gleichnamigen Tiroler Bergdorf gebildet. Bei Kaiserwetter wurde viel Tradition aufgeboten sowie für die „Europaregion“ Tirol geworben. Auch das allgegenwärtige Flüchtlings-Thema stand im Fokus, die Redner plädierten für Solidarität und Integration.

Als Thema des „Tiroltages“ hatten die Verantwortlichen aus dem Bundesland Tirol, Südtirol sowie dem Trentino auch „Integration statt Ausgrenzung“ gewählt. Tirols Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) mahnte in seiner Rede auf dem Alpbacher Kirchplatz einmal mehr nationale und europäische Solidarität mit den Asylwerbern ein. Alle europäischen Staaten müssten Verantwortung übernehmen anstatt die „Schotten dicht zu machen und Stacheldrahtzäune aufzustellen“. Innerhalb Österreichs plädierte Platter für einen enge Abstimmung mit Ländern und Gemeinden. „Ich bezweifle, dass eine Verfassungsbestimmung notwendig ist, die einen Eingriff in den Föderalismus bedeutet“, kritisierte Tirols Landeschef erneut das Durchgriffsrecht des Bundes. Was es brauche, sei nationale und europäische Solidarität.

„Es muss auch eine eindeutige Unterscheidung zwischen Kriegs- und Wirtschaftsflüchtlingen geben“, betonte Platter. Der Landeshauptmann sprach sich auch dafür aus, die Flüchtlinge für gemeinnützige Arbeit heranzuziehen. Die Asylwerber würden länger bleiben, daher sei es im Sinne einer gelungenen Integration auch notwendig, dass diese die Sprache lernen. Der Landeschef plädierte überdies, mehr Geld für Entwicklungshilfe auszugeben. Die Bundesregierung habe zwar eine Aufstockung vorgenommen, diese bewege sich aber in „bescheidenem Rahmen“. Die Erreichung von 0,7-Prozent des Bruttoinlandsproduktes bis 2030 werde nicht ausreichen, meinte Platter, der Alpbach als „Herz- und Denkerzentrum der Europaregion“ bezeichnete.

Südtirols Landeshauptmann Arno Kompatscher (SVP) erklärte, es sei wichtig Vielfalt aufzuzeigen und auf andere zuzugehen. Die Europaregion und nicht zuletzt Südtirol könne dafür eine Brücke sein, schließlich hätten die Menschen in der autonomen Provinz zu Recht gegen Assimilierung und Nationalisierung gekämpft. Auch ladinisch wurde beim heurigen „Tiroltag“ übrigens das erste Mal offiziell gesprochen - und zwar in Person des Südtiroler Landesrates Florian Mussner (SVP) bei dessen Grußworten.

Der „Tiroltag“ hatte bereits um 5.00 Uhr morgens mit einer Wanderung zum Wiedersberger Horn begonnen. Um 9.00 Uhr wurde eine Messe in der Alpbacher Pfarrkirche gefeiert, zelebriert von Kardinal Christoph Schönborn. Nach der Messe durften natürlich auch die musikalische Darbietungen durch die örtliche Musikkapelle, eine ordentliche Salve durch die Schützen sowie die obligaten „Schnapserl“ nicht fehlen. Die Tiroler Landeshymne „Zu Mantua in Banden“, die Europahymne sowie Österreichische Bundeshymne erklangen. Letztere spielte die Musikkapelle übrigens gut hörbar nur mit den „Söhnen“ und ohne die „Töchter“.

Die Bundesregierung vertrat „Lokalmatador“, Landwirtschaftsminister Andrä Rupprechter. Forums-Präsident Franz Fischler konnte zudem unter anderem seinen Vorgänger, Ex-Vizekanzler Erhard Busek, OeNB-Präsident Claus Raidl, Tirols Alt-Landeshauptmann Alois Partl (ÖVP) sowie Europäische Investitionsbank-Vizepräsident Wilhelm Molterer begrüßen.

Die Organisatoren erwarten heuer rund 4.500 Teilnehmer, davon eine Rekordzahl von etwa 900 Rednern. Das Europäische Forum dauert bis zum 4. September. Das Generalthema „UnGleichheit“ soll im Rahmen der Seminare, Arbeitskreise und Podiumsdiskussionen aus den unterschiedlichsten Perspektiven beleuchtet werden. Am Sonntag starteten bereits die Gesundheitsgespräche, die bis zum Dienstag andauern.