Nicht nur Emotionen stauen sich
Durch die Ansammlung von Geschiebe am Gaulwerk-Stausee erreichte der Pegel des Gurglbaches einen bedrohlichen Stand. Laut Bescheid müssten die Stadtwerke tätig werden, der Naturschutz sei dagegen.
Von Hubert Daum
Tarrenz –Ein ganz normaler Regentag letzte Woche, die Niederschlagsmengen alles andere als heftig. Trotzdem das Bild, das schon öfters zu sehen war: Der Gurglbach verlässt vor der Brücke zur Tarrenzer Knappenwelt teilweise sein Bett, schickt einen „Ausläufer“ auf die asphaltierte Straße, um knapp vor der Brücke wieder zurückzufließen. Der Abstand des Pegels zur Brücke ist geschätzte 30 Zentimeter. „Die Verlandung schreitet voran, uns droht eine schlafende Versumpfung“, läutet Degenhard Schagowetz stellvertretend für die Tarrenzer Bauern die Alarmglocken.
Die Sachlage scheint ein gordischer Knoten zu sein: In den 1960er-Jahren errichteten die Imster Stadtwerke das Kraftwerk „Gaulwerk“ und eben den dazugehörigen Stausee, der bis zur heutigen Knappenwelt reicht. Im Laufe der Jahrzehnte sammelte sich Geschiebematerial an, lagerte sich ab und hob den Wasserspiegel auch oberhalb des Stausees so weit an, dass speziell die angrenzenden Grundeigentümer, die Bauern und die Gemeinde Tarrenz eine großflächige Überschwemmung befürchten, wenn es einmal ordentlich schüttet.
„Die Problematik ist schon über Jahrzehnte bekannt“, weiß BM Rudolf Köll, „der Kraftwerksbetreiber, die Imster Stadtwerke, ist per Wasserrechtsbescheid verpflichtet, Geschiebeablagerungen zu entfernen. Wir haben die Räumung des Beckens mehrmals gefordert, die Stadtwerke, die dazu auch bereit wären, sind an der Umweltbehörde gescheitert.“ Vor Kurzem schaltete sich auch die Landwirtschaftskammer ein und sandte an die relevanten Stellen eine Sachverhaltsdarstellung. Bezirksstellenleiter Otmar Juen brachte es auf den Punkt: „Die wasserwirtschaftsrechtliche Bewilligung von 1963 beinhaltet den Punkt 15, der klar besagt, dass der Betreiber Geschiebeablagerungen durch entsprechende Räumung zu entfernen hat.“ Seitens der Stadtwerke heißt es jedoch, dass das Ausbaggern des Stausees (mittlerweile zum Biotop geworden, Anm.) auf Grund von naturschutzrechtlichen Bedenken nicht ausgeführt werden dürfe. Juen wundert sich, dass ein und dieselbe Behörde – das Amt der Tiroler Landesregierung – „solche absolut gegenteiligen Ansichten“ vertreten kann. Der Kammerchef befürchtet weitere Flurschäden und verlangt, den Stadtwerken zu ermöglichen, ihre bescheidmäßig erteilten Auflagen zu erfüllen.
Auch die Gemeinde Tarrenz fordere laut Köll schlicht, dass der Bescheid endlich eingehalten wird. Der ehemalige Chef der Stadtwerke, Gebi Mantl, erinnert sich an eine einmalige Genehmigung zur Schotterentnahme vor rund 15 Jahren mit vielen Auflagen, allerdings nur ostwärts des Stausees. Eine damalige „Spülung“, indem die Schleuse geöffnet worden war, zog sogar ein Strafverfahren mit Verurteilung nach sich.
Gottfried Mair, ehemaliger Agendamitarbeiter im Landhaus, erinnert sich: „Schon der damalige Umweltanwalt Riccabona wusste, dass man ausbaggern muss. Ich schlug vor, das im Beisein von Experten zu tun.“ Auch Werner Schwarz, Naturschutzbeauftragter im Bezirk Imst, ist der Meinung, zwar nicht zuständig, aber sachkundig: „Da gehört etwas gemacht.“
Das Umweltreferat der BH Imst bestätigt, dass eine naturschutzrechtliche Bewilligung nötig, jedoch weder ein Ansuchen noch ein Verfahren evident sei. Auch in der Abteilung Umwelt der Landesregierung weiß man nichts von einem relevanten Ansuchen. In Vertretung der Stadtwerke Imst (Direktor Thomas Huber ist derzeit im Urlaub) bestätigt BM Stefan Weirather, der die Causa kennt: „Die Stadtwerke sind mehr als willig, ihren Verpflichtungen nachzukommen.“
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