Teheran und London eröffneten ihre Botschaften nach 4 Jahren wieder
Teheran/London (APA/AFP) - Mit der Wiedereröffnung ihrer Botschaften haben der Iran und Großbritannien eine Wiederannäherung eingeleitet. „D...
Teheran/London (APA/AFP) - Mit der Wiedereröffnung ihrer Botschaften haben der Iran und Großbritannien eine Wiederannäherung eingeleitet. „Durch diese Botschaft werden wir den britischen Handel und Investitionen unterstützen, sobald die Sanktionen aufgehoben sind“, sagte der britische Außenminister Philip Hammond am Sonntag bei einer Zeremonie im Garten der neu eröffneten diplomatischen Vertretung in Teheran.
Die Ausweitung der Handelsbeziehungen werde zum Vorteil beider Länder sein, sagte Hammond bei der Zeremonie in Anwesenheit des britischen Geschäftsträgers Ajay Sharma, der die Vertretung leiten soll, bis ein offizieller Botschafter ernannt ist. Am Sonntag wurde auch die iranische Botschaft in London wieder eröffnet.
Die britische Botschaft in Teheran war im November 2011 geschlossen worden, nachdem sie von regierungstreuen Demonstranten aus Protest gegen die Verschärfung der Sanktionen gestürmt worden war. Zuvor hatte das iranische Parlament für die Ausweisung des britischen Botschafters gestimmt. In der Folge schlossen beide Länder ihre jeweiligen Vertretungen. Seit dem Amtsantritt des moderaten Präsidenten Hassan Rohani (Rouhani) im August 2013 und der Wiederaufnahme der Verhandlungen im Atomstreit mit Teheran verbesserten sich die beiderseitigen Beziehungen wieder.
Hammond bezeichnete die damaligen Ereignisse als „Tiefpunkt“ der Beziehungen, rief aber dazu auf, nun das im Juli geschossene Atomabkommen zwischen dem Iran und der Gruppe der fünf UNO-Vetomächte und Deutschland zum Erfolg zu führen. Die Wiedereröffnung der Botschaften bedeute nicht, „dass wir uns in allem einig sind“, sagte Hammond. Er sprach sich auch dafür aus, über Fragen der regionalen Sicherheit zu sprechen.
Sein iranischer Kollege Mohammad Javad Zarif zeigte sich dafür offen: „Diese Region hat ernste Probleme“, sagte er mit Blick auf die Bedrohung durch die Jihadistenmiliz „Islamischer Staat“ (IS) am Sonntag in einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Hammond. Der Iran sei bereit zu Gesprächen „mit allen unseren Nachbarn“. Nötig sei Kooperation zum gegenseitigen Gewinn, „nicht als Nullsummenspiel“.
Hammond betonte bei der Pressekonferenz mit Zarif, dass die Besiegelung der Atomeinigung nun Priorität habe. Was die beiderseitigen Beziehungen angehe, seien der Iran und Großbritannien schon weit gekommen, „aber lasst uns erst gehen und dann später versuchen zu rennen“.
Hammond ist für zwei Tage im Iran, am Montag soll er mit Rohani zusammentreffen. Vor dem britischen Chefdiplomaten waren bereits seine deutschen, französischen und italienischen Kollegen nach Teheran gereist, um eine Wiederaufnahme der Handelsbeziehungen nach dem Atomabkommen zu besprechen. Das öl- und gasreiche Land ist mit seiner Bevölkerung von 78 Millionen Menschen ein interessanter Markt für westliche Unternehmen. Im September will Bundespräsident Heinz Fischer den Iran besuchen.
Die am 14. Juli in Wien geschlossene Atomvereinbarung sieht im Gegenzug für die Einschränkung des iranischen Atomprogramms die Aufhebung der internationalen Finanz- und Handelssanktionen gegen Teheran vor. Die Beziehungen Londons und Teherans sind historisch schwierig, da die Iraner Großbritannien bis heute eine imperialistische Politik in der Region sowie die Unterstützung der autoritären Herrschaft der in der Revolution 1979 gestürzten Pahlavi-Monarchie vorwerfen.
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