Koller erntet die Früchte aus Constantinis Ära
Der ehemalige FC-Tirol-Spieler, Wacker-Trainer und Nationalspieler Roland Kirchler kommentiert für die Tiroler Tageszeitung das Fußball-Geschehen.
Innsbruck – EM 2016 in Frankreich – wir kommen! Nur noch ein Punkt aus drei ausstehenden Spielen ist dazu notwendig. Mein Gefühl sagt mir, dass die österreichische Nationalmannschaft bereits morgen in Schweden den Sack zumachen wird. Wir haben also drei Matchbälle, notfalls muss das Team den letzten daheim gegen Liechtenstein verwandeln, das sollte machbar sein.
Bei meinen 28 Einsätzen für Österreich war das Happel-Stadion auch oft ausverkauft. Die Bundeshymne, eine tolle Stimmung und vielleicht noch ein persönlicher Torerfolg für das eigene Land setzten Adrenalin frei. Das Größte ist jedoch, sich für ein Großereignis (EM, WM) zu qualifizieren, leider ist mir das verwehrt geblieben.
Deshalb schwärmen aktuell die Spieler von der tollsten und besten Atmosphäre im Team aller Zeiten, sogar international wird man wahrgenommen und respektiert. Kompliment an alle, die an dieser enormen Entwicklung der Nationalmannschaft in den vergangenen Jahren beteiligt gewesen sind.
Das ist zum größten Teil der Verdienst von Teamchef Marcel Koller, doch für mich hat dieser positive Trend schon viel früher begonnen – nämlich unter Didi Constantini. Im ersten Jahr seiner Amtszeit als österreichischer Nationaltrainer (4. März 2009 bis 13.September 2011) gab er vielen jungen Talenten in Österreich die Chance, sich im Nationalteam zu beweisen und setzte vermehrt auf die „junge Welle“. Spieler wie Baumgartlinger, Dragovic, Klein oder Kavlak starteten ihre Teamkarriere unter Constantini und zählen aktuell zu den wichtigsten Führungsspielern in unserem Team. Den größten Schachzug machte Didi aber mit der Einberufung des damals erst 17-jährigen David Alaba. Der Bayern-Spieler wurde dadurch nicht nur zum jüngsten Nationalspieler der ÖFB-Geschichte, er ist vor allem die personifizierte Hoffnung auf eine rosige Fußballzukunft in Österreich.
Marcel Koller erntet jetzt die Früchte aus dieser Zeit – und seine Arbeit macht er auch wirklich exzellent. Constantinis Vorgehensweise wurde damals von vielen als „Jugendwahn“ bezeichnet und brachte ihm viel Kritik ein. Gott sei Dank ist der Tiroler Sturschädel seiner Linie treu geblieben, sonst würde sich unser Team heute nicht so gut präsentieren.
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