Architektur

Bauen im Zentrum der Republik

Ort für das geplante „Haus der Geschichte“: Der Wiener Heldenplatz mit der Neuen Burg und dem Balkon, von dem Adolf Hitler sprach. Foto: APA/Schlager
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Das „Haus der Geschichte“ ist nur ein Teil der Pläne für den Wiener Heldenplatz.

Von Wolfgang Sablatnig

Wien –Die Planungen der Koalition für ein „Haus der Geschichte“ werden konkreter: Kulturminister Josef Ostermayer (SPÖ) und Staatssekretär Harald Mahrer (ÖVP) haben gestern die Umsetzungsstrategie für dieses Museum präsentiert. Die Kosten sind noch offen. Fest steht der Termin der geplanten Eröffnung im Herbst 2018, dem 100. Jahrestag der Ausrufung der Republik. Ebenso steht fest, dass der Wiener Heldenplatz in den kommenden Jahren neu gestaltet werden soll – über und unter der Erde.

Die erste Etappe ist das „Haus der Geschichte. Nunmehr steht endgültig fest, dass diese Institution im ersten Obergeschoss der Neuen Burg einziehen soll. Das Weltmuseum (früher Völkerkundemuseum) und die Sammlung Alter Musikinstrumente des Kunsthistorischen Museums müssen dafür auf Platz verzichten.

Das Konzept für das Republiksmuseum hat ein Beirat unter der Leitung des Zeithistorikers Oliver Rathkolb erarbeitet. Der Schwerpunkt liegt auf den 100 Jahren seit der Republiksgründung, dazu kommen Vorgriffe auf das Jahr der bürgerlichen Revolution 1848. Das „Haus der Geschichte“ soll organisatorisch in die Nationalbibliothek eingegliedert werden, soll aber einen eigenen Direktor und ein eigenes Budget bekommen. Geplant ist der Aufbau einer eigenen Sammlung.

Und was sollen die Besucher zu sehen bekommen? Ostermayer: „Konzentrierte österreichische Zeitgeschichte, mit der These, dass wir aus der Geschichte lernen können und lernen müssen.“ Bei der Präsentation zählen dazu klassische Ausstellungsstücke genauso wie Angebote für Kinder und Jugendliche, Zeitzeugengespräche und sonstige Veranstaltungen, sagte der Minister.

Mit der Eröffnung im Herbst 2018 soll die Umgestaltung des Heldenplatzes aber nicht abgeschlossen sein. 2017 bis 2020 wird das Parlament dort ein provisorisches Gebäude errichten, um während der Sanierung seines Hauptgebäudes ein Ausweichquartier zu haben. Danach soll dann eine grundlegende Neugestaltung stattfinden: Die Nationalbibliothek und die nahe gelegene Universität wünschen sich schon lange einen unterirdischen Bücherspeicher. Eine Garage könnte die Autos aufnehmen, die bisher mitten am Platz parken. Auch die Soldaten-Gedenkstätte am äußeren Burgtor harrt einer Neuinterpretation.

Dazu kommt ein Herzens­projekt Mahrers, ein „Haus der Zukunft“. Der Staatssekretär denkt dabei weniger an ein Museum als an einen Ort, an dem Ideen und Impulse entstehen können. Noch sind diese Pläne freilich Zukunftsmusik: Der Zeithorizont für eine Umsetzung liegt laut Mahrer bei zehn Jahren.