Bergsteigen

„Am Everest muss niemand sterben“

© Furtenbach Adventures

Der Innsbrucker Lukas Furtenbach will mit einer ungewöhnlichen Taktik Bergsteiger auf den Mount Everest bringen. Mit Reinhold Messner geht der ehemalige Extrembergsteiger hart ins Gericht.

Von Denise Daum

Innsbruck — Das Geschäft mit dem Extrembergsteigen boomt. Immer mehr Hobbysportler wollen immer höhere Gipfel erreichen. Lukas Furtenbach, der früher selbst extrem unterwegs war, zahlreiche Sechs-, Sieben- und Achttausender erklomm, hat vor rund einem Jahr die Seite gewechselt. Er hat sich in Innsbruck als Expeditionsanbieter selbstständig gemacht. Nach dem ersten Jahr im Geschäft mit dem Abenteuer ist er überzeugt: Das kommerzielle Höhenbergsteigen braucht dringend eine Neuentwicklung und progressive Zugänge.

In der kommenden Saison hat Furtenbach erstmals den Mount Everest im Angebot. Mit seinen von Sherpas vorbereiteten Routen zählt der höchste Berg der Welt zwar technisch nicht zu den schwierigen Achttausendern, trotzdem lassen Jahr für Jahr Bergsteiger beim Versuch, den Everest zu bezwingen, ihr Leben. Naturgewalten ausgenommen, sei das Risiko heute stärker minimierbar, ist Furtenbach überzeugt. „Heute muss eigentlich niemand mehr am Everest sterben.“ Vielmehr sollen die Bergsteiger die Tour auf das Dach der Welt genießen und keine Todesängste ausstehen.

Um das zu erreichen, hat sich Furtenbach eine eigene Taktik überlegt: Die Teilnehmer sollen bereits zuhause im Höhenzelt mit der Vorakklimatisation beginnen. Das habe den Vorteil, dass, in Nepal angekommen, die Teilnehmer direkt von Kathmandu per Helikopter in die Nähe des Basecamps auf 5400 Meter geflogen werden können, da der Körper nicht erst durch einen langsamen Aufstieg an die Höhe gewöhnt werden muss. So werde nicht nur der unfallträchtige Flug von Kathmandu nach Lukla — der dortige Flughafen gilt als einer der gefährlichsten Flugplätze der Welt — vermieden, sondern auch Zeit gespart. Während der Besteigung sollen die Bergsteiger dann das Maximum an künstlichem Sauerstoff erhalten. Moderne und leichte Sauerstoffsysteme seien sehr teuer. „Die meisten Anbieter sparen hier, obwohl ausreichend Sauerstoff das Erfolgs- und Sicherheitskriterium schlechthin ist“, ärgert sich Furtenbach.

Ohne Sauerstoff wagt sich kaum ein Bergsteiger auf den Everest. Jahrzehntelang galt es sogar als unmöglich, den 8848 Meter hohen Berg ohne Sauerstoff aus der Flasche zu bezwingen — bis Peter Habeler und Reinhold Messner im Mai 1978 das Gegenteil bewiesen und damit Alpingeschichte geschrieben haben. Messner ist zudem als scharfer Kritiker des Everest-Tourismus bekannt. Er bezeichnete den Gipfelsieg über präparierte Routen und mit Unterstützung der Sherpas zuletzt als „Selbstbetrug“ — mit Alpinismus habe das nichts zu tun.

Solche Aussagen ärgern Furtenbach. „Messner hat es geschafft, sich zur alpinmoralischen Instanz zu machen. Aber woher nimmt er das Recht, das alpinistische Tun und Schaffen eines anderen öffentlich schlechtzureden, nur weil es nicht den eigenen Wertvorstellungen entspricht?“ Für einen professionellen Veranstalter sei es sogar fahrlässig, am Berg auf moderne Technologie zu verzichten.

Neben ausreichend Flaschensauerstoff setzt Furtenbach auf eine gezielte Auswahl bei den Expeditionsteilnehmern. „Ich habe es selbst miterlebt, dass Bergsteigern im Basecamp des Mount Everest gezeigt werden musste, wie man Steigeisen anzieht. Solche Leute sind eine Riesengefährdung für alle, die will ich nicht dabeihaben“, erklärt Furtenbach. Es gebe aber genügend Anbieter, die auch unerfahrene Teilnehmer „dankbar“ mitnehmen: „Die kommen nicht über das erste Hochlager hinaus, zahlen aber den vollen Preis.“

Die Nachfrage sieht Furtenbach jedenfalls gegeben. Abgesehen davon, dass er, auch wenn seine Firma ihren Sitz in Innsbruck hat, sich eines weltweiten Marktes bedienen könne, gebe es jedes Jahr auch Tiroler, die den Everest kommerziell buchen.

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