Handgemachtes trifft Dialekt: Krautschädl und ihr „gewisser Sound“
Wien (APA) - Zwölf Jahre im Business, Höhen wie Tiefen erlebt und trotzdem noch motiviert: So lässt sich der Status quo von Krautschädl zusa...
Wien (APA) - Zwölf Jahre im Business, Höhen wie Tiefen erlebt und trotzdem noch motiviert: So lässt sich der Status quo von Krautschädl zusammenfassen. Andere verteilen Flyer oder sammeln Praktika, beim oberösterreichischen Trio steht „Rockband“ im Lebenslauf. „Das ist eine Erfahrung, die man sich nicht kaufen kann“, resümiert Bassist Stefan Sonntagbauer. Und nun gibt es mit „Immer mit da Ruhe“ Nachschlag.
Es ist bereits Album Nummer 4 für Sonntagbauer sowie Sänger und Gitarrist Philipp „Mölgie“ Sikora. Seit knapp zwei Jahren an ihrer Seite ist Schlagzeuger Fizl Stadler. Und gemeinsam hat man für den am 25. September erscheinenden Tonträger zwölf Stücke zwischen harten Riffs, einem teils unbarmherzigen Groove und eingängigen Refrains zusammengezimmert. Diese beschwören die besten Tage des Alternative Rock - kein Wunder, liegt doch auch die musikalische Sozialisation der Band in den 90ern. „Wenn ich Gitarre spiele, dann fallen mir solche Riffs ein“, grinst Sikora im APA-Interview. Und Sonntagbauer ergänzt: „Da kann man nicht aus seiner Haut. Es gibt einfach gewisse Sachen, die man aufnimmt und die dann mitlaufen.“
Außerdem müsse man nicht immer „super-hip“ sein, ergänzt der Bassist. „Wir stehen ja auch für einen gewissen Sound.“ Dass sich dieser nicht nur aufgrund der Dialekttexte von anderen Kollegen abhebt, stellt „Immer mit da Ruhe“ eindrucksvoll unter Beweis: Vom nach vorne preschenden Opener „Wos Buntes“ über den schwungvollen „Sommla“ bis zu „Sei amoi leiwond“ wird kaum eine Pause gewährt, sondern auf energetisches Songwriting gesetzt. Aber auch funkige Passagen und elektronische Anleihen werden zugelassen. Bei dieser Leichtfüßigkeit ist es kaum zu glauben, dass die Songs nicht unbedingt alle leicht von der Hand gingen. „Es gab ein paar, die waren einfach“, erinnert sich Sikora. „Aber andere haben wir megamäßig umgeschachtelt, und einige mussten wir ganz weglassen.“
Aufgenommen hat man erneut mit Produzent David Bronner, wobei man sich in ein Studio am Rande Wiens zurückziehen konnte. „Das war super für den Kreativprozess“, unterstreicht Sikora. Und dann ging man die Sache recht handgemacht an, sprich: hat stark auf Live-Einspielungen gesetzt und die Pro Tools außen vor gelassen. „Es wurde nicht mehr dieser berühmte Knopf gedrückt, wie auf früheren Alben. Von der produktionstechnischen Herangehensweise war es viel freier und offener. Und das ist schön, wenn man das hört.“ Was aber nicht bedeutet, dass Krautschädl nun eine tief im dreckigen Metal versunkene Truppe geworden wären. Bestes Beispiel ist das im Vergleich zahm und poppig daherkommende „Feia fonga“, dem man durchaus den Weg ins Radio zutrauen darf.
Dorthin haben sie es immerhin schon einmal geschafft. Nach zwei Alben bei Sony Music, einem Quasi-Comeback mit „GemmaGemma“ und der anschließenden Auszeichnung beim Amadeus Award war man am besten Weg. Überhaupt sei es am Anfang der Bandgeschichte „ziemlich schnell rauf gegangen“, sagt Sikora, „es gab eigentlich nie Stagnation“. Nur der große Durchbruch blieb aus. Daher habe man sich erstmal um „Privates gekümmert, damit zumindest ein Standbein halbwegs fixiert ist“. Und doch: Der Musikpreis entfachte die Motivation weiterzumachen. „Das war ja nicht unbedingt ein Zeichen, dass wir uns zur Ruhe setzen sollen“, schmunzelt der Sänger. „Es war eher das Signal, dass die Leute etwas hören wollen - nur hatten wir damals nichts.“
Drei Jahre und den Ausstieg von Schlagzeuger Lukas Plescher später ist man aber wieder da: Beim diesjährigen Frequency eröffneten Krautschädl am ersten Tag die Green Stage und durften sich über gehörigen Publikumszuspruch freuen. Die Nachfrage scheint also gegeben. Wobei Sikora und Co recht bescheiden bleiben. Man freue sich auf die Veröffentlichung des Albums und die Konzerte. „Wenn‘s so bleibt, sind wir zufrieden. Ein klar definiertes Ziel gibt es nicht.“ Eines dürfte aber gewiss sein: Aus der Ruhe lässt sich das Trio sowieso nicht bringen. Davon kann man sich ab 25. September auch bei der in Wels startenden Releasetour überzeugen.
(Das Gespräch führte Christoph Griessner/APA)
(S E R V I C E - Österreichkonzerte der Albumreleasetour: 25. September in Wels, 26. September in Klagenfurt, 30. September in Wien, 2. Oktober in Linz, 3. Oktober in Wiener Neustadt, 7. Oktober in Salzburg und 8. Oktober in Graz; www.facebook.com/krautschaedlcom)
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