„Music Complete“: New Order melden sich eklektisch zurück
Wien (APA) - New Order haben einen Sonderstatus: Die britische New-Wave-Band hat in den 1980ern das Genre mitgeprägt und Anfang der 2000er s...
Wien (APA) - New Order haben einen Sonderstatus: Die britische New-Wave-Band hat in den 1980ern das Genre mitgeprägt und Anfang der 2000er sogar das Kunststück bewerkstelligt, mit „Get Ready“ ein überzeugendes Comeback hinzulegen. Mit „Music Complete“ erscheint nun die vierte Platte dieser zweiten Schaffensphase, die auch von beständigen Line-up-Wechseln geprägt war. Die Songs sind dennoch stimmig.
Ab sofort muss man zwar auf Bassist Peter Hook verzichten, dafür ist Keyboarder Gillian Gilbert wieder mit an Bord. Ob es ihm geschuldet ist, dass Stücke wie der stimmige Opener „Restless“ oder das unterkühlte „Plastic“ eine deutlich stärkere elektronische Ausprägung als zuletzt aufweisen, sei einmal dahingestellt. Aber die wiedergefundene Freude an gleichermaßen sterilen wie spielerisch akzentuierten Synthieflächen, die auf tanzbare Gitarrenriffs und repetitives Drumming treffen, hat ein überzeugendes Hörerlebnis zur Folge.
Davon abgesehen dürften sich Anhänger der Gruppe um Sänger Bernard Sumner so oder so über „Music Complete“ freuen, bietet die am Freitag erscheinende Platte doch erstmals seit zehn Jahren wirklich neues Material. Und damit schielt man gehörig in Richtung Dancefloor, wie auch das eigenwillige „Tutti Frutti“ untermauert. Einen hochkarätigen Gast konnte man hingegen für „Stray Dog“ gewinnen: Das bedächtig anhebende Stück wird immerhin von Iggy Pop vokaltechnisch verfeinert, mit seiner tiefen Stimme in einem unheilvollen Sprechgesang über die brodelnde Klanglandschaft lamentierend.
Man zeigt sich also insgesamt sehr eklektisch, was einer durchaus bewussten Herangehensweise entsprungen sein dürfte. „Die Band ist derzeit sicher vielseitiger, was uns einige Freiheiten gibt“, erklärte etwa Schlagzeuger Stephen Morris gegenüber dem Magazin „The Skinny“. Man habe für das Album „einen anderen Zugang gewählt. Ich habe begonnen, mit einigen Synthesizern herumzuspielen und habe dabei verschiedenste Beats und alle möglichen elektronischen Sounds erzeugt. Früher haben wir eher mit den Gitarrenriffs begonnen und sind von da weitergegangen.“
Das Organische ist aber keineswegs komplett verschwunden, sondern lässt sich beim mehrmaligen Hören in der dichten Atmosphäre ausmachen, gleichermaßen ein Außenseiter wie eine lohnende Bereicherung für das große Ganze. Und wenn beispielsweise „Nothing But A Fool“ geradezu im klassischen Indie-Gewand daherkommt, stört dies den Fluss der Platte keineswegs. „Music Complete“ mag für die Beine gemacht sein, vergisst dabei aber keineswegs, Kopf und Herz anzusprechen.
(S E R V I C E - www.neworder.com)