Gesellschaft

Die Hoffnung auf eine bessere Welt

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Flucht: nicht nur ein hochaktuelles, sondern ein ewiges Thema, das es sich auch aus Tiroler Perspektive zu betrachten lohnt.

Von Ivona Jelcic

Innsbruck –Die wohl bekanntesten Tiroler Auswanderer­geschichten finden sich im peruanischen Pozuzo und im brasilianischen Treze Tilia­s, zu deutsch Dreizehnlinden. Man darf getrost die heute so übel beleumundete Bezeichnung „Wirtschaftsflüchtlinge“ bemühen: Da wie dort waren es unter bitterster Armut leidende Bauern, die einst in der Hoffnung auf eine bessere Zukunft zu Zehntausenden den Schritt in die Fremde wagten.

Dass dort Identität und Traditione­n inklusive Blasmusik, Folklore und kulinarischen Eigenheiten bis in die Gegenwart bewahrt und gepflegt wurden, gilt als kulturhistorisch bemerkenswert, längst auch als Tourismus­attraktion. Und interessanter­weise keineswegs als jene Integrations­verweigerung, mit der in Österreich und Europ­a so gerne die Migrations­debatte geschürt wird.

Migration ist ein Thema, zu dem auch die Bibliothek des Tiroler Landesmuseums so manches ausspuckt. Der Zettelkatalog erweist sich allerdings eher als Einbahnstraße: Er zeugt vor allen Dingen vom Hinaus aus Tirol, freiwillig oder unfreiwillig, wirtschaftlich oder religiös motiviert bzw. erzwungen wie im Fall der 1837 aus dem Zillertal vertriebenen Protestanten, die in Schlesien, aber auch Chil­e Zuflucht fanden. Aus dem Jahre 1636 wiederum stammt ein Dekret der Tiroler Landesregierung: Ein Auswanderungsverbot sollte die Tiroler während des Dreißigjährigen Krieges im Land halten. Noch ein Fundstück ist ein Innsbrucker Theaterzettel von 1804: Er kündigt das Drama „Eduard in Schottland, oder die Nacht des Flüchtlings“ an.

Dünner wird die Quellenlage, wenn es um die Zuwanderung nach Tirol geht: ein­e historische Postkarte der „dankschuldigen Flüchtling­e aus Südtirol in Zirl“, einige Medienberichte über die Ungarn-Flüchtlinge der 1950er- Jahre, ansonsten eher dürftig­e Spuren, auch von späteren Einwanderungswellen – wiewohl diese die Gesellschaft zweifellos mitgeprägt haben. Zeithistoriker fordern schon lange ein „Archiv der Migratio­n“, das etwa auch die Geschichte der Gastarbeiter dokumentiert.

Er hoffe, dass mit größerem zeitlichen Abstand auch dazu mehr relevante Quellen kommen, etwa aus Privatbesitz oder Firmenarchiven, sagt Bibliotheks-Kustos Roland Sila. Zum Thema „Auf der Flucht“ lasse sich aber auch mit dem vorhandenen Material einiges erzählen, was in der Reih­e „Einblicke. Stöbern in den Beständen der Bibliothek“ am heutigen Dienstag (19 Uhr) auch gemacht wird. Sil­a knüpft damit ganz bewusst an ein hochaktuelles Thema an und lädt – zusammen mit Autor Christoph W. Bauer – dazu ein, sich auch aus historischer Tiroler Perspektive damit auseinanderzusetzen, sich an Zeiten zu erinnern, in denen Tiroler gezwungen waren, ihr­e Heimat zu verlassen oder in denen Flüchtlinge hier schon früher eine neue Heimat gefunden haben.

Man wird dabei auch dem Matreier Kleinbauern und Kommunisten Max Bair wieder begegnen, dem Egon Erwin Kisch mit „Die drei Kühe“ ein Denkmal gesetzt hat. Denn nicht zuletzt geht es beim Stöbern in den Bibliotheks­beständen auch um Migration als Thema der Literatur.