Flüchtlinge - 800.000 Personen heuer in Deutschland erwartet

Berlin (APA/AFP/Reuters/dpa) - Die deutsche Bundesregierung rechnet für das laufende Jahr mit der Ankunft von 800.000 Flüchtlingen in Deutsc...

Berlin (APA/AFP/Reuters/dpa) - Die deutsche Bundesregierung rechnet für das laufende Jahr mit der Ankunft von 800.000 Flüchtlingen in Deutschland. Einige Politiker gehen sogar von bis zu einer Million aus.

Sollte in diesem Jahr diese Anzahl an Asylbewerbern nach Deutschland kommen, rechnet das Wirtschaftsforschungsinstitut Ifo mit Mehrkosten für den Staat in Höhe von rund zehn Milliarden Euro. Diese Zahl berücksichtige keinen Familiennachzug und keine Bildungsmaßnahmen und stelle daher eine Untergrenze dar, teilt das Institut mit.

Die Unternehmensberatung McKinsey soll nach einem Zeitungsbericht in der Flüchtlingskrise helfen, die Asylverfahren zu beschleunigen und eine bundesweite Struktur zur Registrierung und Versorgung der Menschen zu etablieren. Eine entsprechende Vereinbarung habe der neue Chef des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge, Frank-Jürgen Weise, mit McKinsey getroffen, berichtet die „Rheinische Post“ (Montag) aus Düsseldorf unter Berufung auf Regierungskreise.

Bis zu zehn McKinsey-Berater sollten zunächst bis zu sechs Wochen unentgeltlich Weise und der interministeriellen Lenkungsrunde der Bundesregierung zur Seite stehen. Weise will sich am Montagvormittag mit dem deutschen Innenminister Thomas de Maiziere (CDU) den Medien stellen.

Angesichts der hohen Zahl von Flüchtlingen in Deutschland hat der deutsche Städte- und Gemeindebund von der Regierung ein ehrgeiziges Wohnungsbauprogramm gefordert. Geschäftsführer Gerd Landsberg sagte am Montag im ARD-“Morgenmagazin“, es müssten jährlich „deutlich mehr“ Wohnungen gebaut werden als bisher. Nötig seien statt der derzeit jährlich 245.000 Neubauten rund 400.000 neue Wohnungen.

„Wir brauchen ein Bauprogramm“, sagte Landsberg. Die Finanzierung der Unterkünfte sei „Aufgabe des Bundes und der Länder“, sagte Landsberg weiter. Bisher stelle der Bund rund 580 Millionen Euro im Jahr bereit. „Nach unserer Vorstellung müssen es mindestens zwei Milliarden sein.“ Beim Neubau sei es zudem wichtig, dass nicht nur teure Eigentumswohnungen entstünden - stattdessen müsse der „soziale Wohnungsbau reaktiviert“ werden. Eine „Neiddiskussion“ in der Bevölkerung müsse vermieden werden.

Der Deutsche Volkshochschul-Verband (DVV) forderte mehr Unterstützung angesichts des großen Andrangs von Flüchtlingen auf die Kurse der Volkshochschulen. Die Schulen kämen „an ihre Grenzen“, erklärte der Verband am Montag in Bonn. Lange Schlangen bei der Kursanmeldung und monatelange Wartelisten für einzelne Kurse zeugten davon, dass die Volkshochschulen die ständig steigende Nachfrage nicht mehr bewältigen könnten. Der Verband forderte 500 Millionen Euro zusätzlich.

„Deutschland braucht eine schnelle Weiterbildungsoffensive für bis zu 500.000 erwachsene Flüchtlinge“, erklärte DVV-Präsident Ernst Dieter Rossmann. Orts- und zeitnahe Orientierungs- und Bildungsangebote seien ein entscheidender Schlüssel für eine frühzeitige Integration. Nötig ist nach Angaben des DVV vor allem ein Ausbau der Sprach- und Integrationskurse sowie der Bildungsberatung und Berufsvorbereitung. Dafür werde insbesondere eine Finanzierung durch den Bund gebraucht, erklärte Rossmann.