VW-Dieselskandal - Konzern verliert an der Börse 12 Mrd. Euro an Wert

Wolfsburg (APA/Reuters) - Kurssturz bei VW: Scharenweise haben sich die Anleger von ihren Volkswagen-Aktien nach Bekanntwerden der Affäre um...

Wolfsburg (APA/Reuters) - Kurssturz bei VW: Scharenweise haben sich die Anleger von ihren Volkswagen-Aktien nach Bekanntwerden der Affäre um Abgasmanipulationen und einer drohenden Milliardenstrafe getrennt. Das Papier brach am Montag in der Früh in der Spitze um 18,6 Prozent auf 132,20 Euro ein.

Mit dem größte Kurssturz seit sechs Jahren verlor der deutsche Autokonzern mehr als 12 Milliarden Euro an Börsenwert. Das entspricht in etwa der gesamten Marktkapitalisierung der Commerzbank.

Der Ausverkauf bei VW zog auch den deutschen Leitindex Dax in die Tiefe. Auch die Papiere der anderen deutschen Autobauer gerieten unter Druck. Daimler und BMW rutschten um jeweils etwa vier Prozent ab.

Der Wolfsburger Konzern hatte am Wochenende massive Abgasmanipulationen in den USA zugegeben, die dem Autobauer eine Milliardenstrafe einbringen könnte. VW-Chef Martin Winterkorn hatte sich für den Verstoß entschuldigt und eine externe Untersuchung angekündigt. Er persönlich bedauere zutiefst, dass VW das Vertrauen von Kunden und der Öffentlichkeit enttäuscht habe.

Die US-Umweltschutzbehörde EPA verdächtigt VW, bei zahlreichen Dieselfahrzeugen die Abgasvorschriften vorsätzlich umgangen zu haben. Es geht um fast eine halbe Million Autos. Für Volkswagen könnte dies nach Angaben der Behörde eine Strafe von bis zu 18 Mrd. Dollar (15,76 Mrd. Euro) nach sich ziehen.

„Das wird teuer“, sagte Heino Ruland, Marktanalyst vom Brokerhaus ICF. Da VW die Manipulation zugegen habe, müsse mit der Höchststrafe von etwa 18 Mrd. Dollar gerechnet werden. „Das ist aber sicher nicht das Ende der Fahnenstange.“ Er rechne mit Sammelklagen von US-Autohaltern. Außerdem sei offen, ob die Prüfergebnisse auch in anderen Staaten falsch seien.

Autoexperte Stefan Bratzel rechnet mit einer niedrigeren Strafe, da VW mit den US-Behörden kooperiere. Der Leiter des Center of Automotive Management in Bergisch Gladbach verwies auf den Fall von General Motors. Die Opel-Mutter muss im Skandal um defekte Zündschlösser, mit dem zahlreiche Todesfälle in den USA in Verbindung gebracht werden, ein Strafe von 900 Mio. Dollar bezahlen.

Viel größer sei der Imageschaden, den VW und damit auch die gesamte deutsche Automobilindustrie in den USA erlitten habe, sagte Bratzel. „Das ist ein deutsches Thema. Da sind alle in der Sippenhaftung“, ist der Wissenschafter überzeugt. Volkswagen mit seiner Tochter Audi sei das Aushängeschild der deutschen Automobilindustrie. Die stärkere Einführung des Dieselantriebs in den USA könne die Branche vorerst vergessen. Geklärt werden müsse nun, ob auch andere Hersteller die Abgaswerte manipuliert hätten. VW müsse zudem beweisen, dass nicht auch in Europa und Asien getrickst wurde. Personelle Konsequenzen stünden vorerst nicht im Vordergrund. „Ich würde Winterkorn an seinen Worten messen, das Ganze vollumfänglich aufzuklären“, sagte Bratzel. Klar sei jedoch, dass die Entscheidung über den Einsatz der verbotenen Software nicht im kleinen Kreis getroffen worden sei. Eine Person mit Kenntnis der Vorgänge sagte, die Entscheidungen über die Einhaltung von Emissionskontrollen auch in den USA würden von VW in Wolfsburg gefällt. Eine weitere Person sagte, das Thema werde auch den Aufsichtsrat auf seiner Sitzung am Freitag beschäftigen.

Die EPA wirft dem Wolfsburger Konzern vor, in Volkswagen- und Audi-Modellen eine Software eingesetzt zu haben, mit der die Verringerung bestimmter Abgasemissionen im normalen Fahrbetrieb ausgeschaltet werden könne. Folge solcher Manipulationen sei, dass die Autos für den Umweltschutz festgesetzte Emissionslimits um das bis zu 40-Fache übertreffen könnten. Im Fokus der Ermittlungen stehen laut EPA Vier-Zylinder-Modelle der Jahre 2009 bis 2015. Es geht um die VW-Modelle Jetta, Beetle und Golf und den Audi A3 aus den Jahren 2009 bis 2015 sowie den VW Passat aus diesem und dem vergangenen Jahr. Die Fahrzeuge müssten vorerst nicht in die Werkstätten zurückgerufen werden, betonte die EPA.

~ ISIN DE0007664039 WEB http://www.volkswagenag.com ~ APA153 2015-09-21/10:57