Lift zum Pfarrplatz politisch kaum umsetzbar
Nach dem Fund von alten Mauern wird der Pfarrlift erheblich teurer als geplant. Für die Mehrheit der Kufsteiner Mandatare zu teuer.
Von Michael Mader
Kufstein –Es war eine Hiobsbotschaft, welche die Stadtgemeinde Mitte Juli erreichte: Bei den Bauarbeiten für den Lift vom Oberen Stadtplatz zur Kufsteiner Pfarrkirche wurden von einem Archäologenteam nicht nur wie erwartet zahlreiche Skelette freigelegt, sondern auch Reste eines historischen Gebäudes. Derzeit ist der Schacht für die geplante Aufstiegshilfe erst 2,5 Meter tief, bis in eine Tiefe von acht Metern wollte man graben.
Der Fund hat jetzt – wie berichtet – extreme Auswirkungen: Die Fundamente des Gebäudes müssten freigelegt und dokumentiert werden und man wisse auch nicht, was noch alles unter der Erde sei, sagte Bürgermeister Martin Krumschnabel, der den Bau vorerst einstellen und winterfest machen ließ. Derzeit seien nämlich bereits Kosten von 130.000 Euro angefallen und statt der ursprünglich veranschlagten Gesamtkosten von 300.000 Euro rechnet man jetzt mit 600.000 Euro oder noch mehr.
„Technisch ist der Lift umsetzbar, politisch eher nicht“, zieht Krumschnabel jetzt Bilanz. Derzeit würden Gespräche laufen, wie es zu einer Verbilligung des Projektes kommen könnte. Krumschnabel: „So viel Geld war aber nie vorgesehen. Wenn man das Projekt um jeden Preis will, dann muss es Teil der Budgetgespräche für das kommende Jahr sein.“
Mit dem Bundesdenkmalamt wurde der Fall bereits besprochen. „Nach dieser Mauer können auch noch weitere zu Tage kommen und diese müssten dann ebenfalls untersucht werden“, sagt Krumschnabel. Wird nicht mehr weitergegraben, ist die Sache mehr oder weniger erledigt.
Erledigt ist der Lift für SPÖ-Gemeinderat Robert Wehr schon lange: „Für mich ist das Projekt, so wie es geplant ist, gestorben. Ich bin dafür, dass der Lift im Rathaus verwendet wird. Es ist eine Kleinigkeit, den Ausgang umzubauen.“ Ein alternativer Standort sei für Wehr aber möglich. Von Anfang an ein unnötiges Unterfangen war der Lift für Gemeinderat Andreas Falschlunger (Grüne): „Man kann genauso gut Geld im Boden versenken.“ Auch er ist für eine Nutzung des Rathausliftes.
Für Vizebürgermeister Richard Salzburger wäre nach der derzeitigen Lage nur noch ein Alternativstandort denkbar: „Eine eigenartige Sache. Ich frage mich überhaupt, warum die Umsetzung so lange gedauert hat.“
„Wir sollten uns überlegen, ob wir diese Angelegenheit nicht aufgeben. Persönlich sind mir 600.000 Euro einfach zu viel, wer soll das bezahlen?“, fragt sich Stadtrat Horst Steiner von der Bürgerliste.
Noch lange nicht gestorben ist der Lift aber für Vizebürgermeister Walther Thaler (FPÖ): „Es war ja auch unser Antrag. Wir sollten mit der Pfarre sprechen, ob wir die Kosten nicht teilen können.“ Seiner Meinung nach hätte man auch beim Land nachfragen können, ob es nicht die Kosten für die Ausgrabungen übernimmt, deren Größe er überhaupt in Frage stellt. „Für Betagte wäre es schon wichtig, so zur Kirche und zur Festung zu kommen“, meint Thaler abschließend.