EZB-Ratsmitglied - Derzeit kein Grund für größere Geldspritzen
Frankfurt (APA/Reuters) - Trotz der niedrigen Inflation im Euroraum sieht EZB-Ratsmitglied Luis Maria Linde zurzeit keinen Grund für stärker...
Frankfurt (APA/Reuters) - Trotz der niedrigen Inflation im Euroraum sieht EZB-Ratsmitglied Luis Maria Linde zurzeit keinen Grund für stärkere Geldspritzen. Das umstrittene Wertpapierkaufprogramm der EZB laufe sehr gut, sagte der spanische Notenbankchef am Montag. Es gebe daher derzeit keinen Grund, es auszuweiten. Es laufe solange, bis das Inflationsziel der Europäischen Zentralbank (EZB) in Sichtweite komme.
Zuletzt lag die Teuerungsrate in der Währungsunion nur bei 0,1 Prozent. Die EZB strebt aber ein Niveau von nahe zwei Prozent an, weil dieses als ideal für die Wirtschaftsentwicklung gilt.
Die Notenbank hatte Anfang März das insgesamt 1,14 Billionen Euro schwere Programm gestartet. Mit der Geldflut will EZB-Chef Mario Draghi Staatsanleihen für Banken unattraktiv machen und die Institute so dazu anregen, mehr Kredite zu vergeben. Er hat angekündigt, die Käufe zu forcieren, falls Konjunktur und Teuerungsrate nicht nachhaltig Fahrt aufnehmen. Kritiker warnen, das billige Geld könne an den Märkten zu Übertreibungen und damit der nächsten Krise führen.
In den USA und Großbritannien stehen die Zeichen schon auf Straffung der Geldpolitik. Der Offenmarktausschuss um US-Notenbankchefin Janet Yellen hatte jüngst jedoch vor einer Erhöhung des Leitzinses zurückgeschreckt. Als Gründe wurden unter anderem Sorgen um die Weltwirtschaft und insbesondere die Konjunkturabkühlung in China genannt. Viele Experten erwarten nun, dass die Zinsanhebung zum Jahresende kommen wird.
In Großbritannien erwartet Notenbankchef Mark Carney, dass die Diskussion um eine Erhöhung der Zinsen zum Jahresende konkretere Formen annehmen wird. In den USA liegt der Schlüsselsatz zur Versorgung der Banken mit Geld bei null bis 0,25 Prozent, in Großbritannien bei 0,5 Prozent. In beiden Ländern sind dies historische Tiefstände. Nach Ansicht Lindes verzögert sich die Normalisierung der Geldpolitik in diesen beiden Währungsräumen wegen der globalen Wachstumsverlangsamung. Die geldpolitische Straffung dürfte jedoch im nächsten Monat oder Quartal in Gang kommen, sagte der Spanier.
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