Internationale Pressestimmen zur Flüchtlingskrise

Brüssel (APA/dpa) - Internationale Zeitungen schreiben am Montag zur Flüchtlingskrise:...

Brüssel (APA/dpa) - Internationale Zeitungen schreiben am Montag zur Flüchtlingskrise:

„Guardian“ (London):

„Auf dem EU-Sondergipfel in dieser Woche müssen die EU-Regierungschefs endlich eine gemeinsame Lösung finden. Es ist eine moralische Pflicht, Flüchtlinge aus Syrien aufzunehmen. Doch es gibt Hunderttausende andere, die auch triftige Gründe haben, in Europa ein besseres Leben zu suchen. Eine fehlende Politik für diese Menschen erschwert die Hilfe für Asylbewerber aus Syrien und anderen Ländern. Jetzt ist EU-weites Krisenmanagement gefragt. Auf dem Sondergipfel sollte ein Weg gefunden werden, um unter ordentlichen Bedingungen eine Zahl von Flüchtlingen aufzunehmen, die nicht einmal ein Prozent der EU-Gesamtbevölkerung von 500 Millionen Einwohnern ausmacht.“

„Sme“ (Bratislava):

„Wir alle wissen, dass Europa nicht eine halbe Million Menschen wieder dorthin zurückführen kann, wo sie herkamen. Ebenso klar ist, dass Mauern und Soldaten nicht verhindern, dass weitere kommen. Wir dürfen sie auch nicht verhungern oder erfrieren lassen - auch dann nicht, wenn sich zeigen sollte, dass sie nicht nur vor dem Krieg geflohen sind. Deshalb braucht der EU-Gipfel diese Woche ein klares Programm: Hören wir auf mit den Politikerposen, befassen wir uns stattdessen mit den Fakten und einigen wir uns auf Lösungen. Damit sich nicht noch zeigt, dass nicht die neuen Einwohner Europas, sondern die Führer Europas die wirklich größte Bedrohung für die Zukunft der Union sind.“

„Magyar Nemzet“ (Budapest):

„Wenn Europa keine gemeinsame Flüchtlingspolitik hat, wenn man nicht klar sieht, wer Anspruch auf den Flüchtlingsstatus hat, dann könnten morgen von noch weiter her die noch Ärmeren aufbrechen, die man unter Berufung auf die - nicht existierenden - europäischen Werte und humanitären Gesichtspunkte eigentlich aufnehmen müsste. Nur ist die Belastbarkeit der ungarischen und europäischen Gesellschaft begrenzt. Zudem ist sichtlich noch nicht einmal die Integration der dritten Generation der aus anderen Kulturen Gekommenen möglich. Es gibt keine Alternative zum gesamteuropäischen Konsens - so tief die ideologische und moralische Krise der Union auch sein mag. Die internationalen friedensstiftenden Organisationen sind - wie immer - gelähmt, und die führende Weltmacht scheint kein Interesse an einer europäischen Regelung zu haben. Jetzt geht es bereits darum, dass Europa sich vor dem Selbstmord schützt. Wer dies begreift, weiß, dass man keinen einzigen Tag mehr tatenlos bleiben darf.“