„Il mondo della luna“: Rasante Mondfahrt im Salzburger Landestheater
Salzburg (APA) - Seit dem letztjährigen „Weißen Rössl“ weiß man, dass Andreas Gergen (Regie) mit Bühnenbildner Stephan Prattes und Kostümsch...
Salzburg (APA) - Seit dem letztjährigen „Weißen Rössl“ weiß man, dass Andreas Gergen (Regie) mit Bühnenbildner Stephan Prattes und Kostümschneiderin Regina Schill für stimmigen Detailreichtum auf der Bühne steht. So auch am Sonntagabend: In „Il mondo della luna“ nahm das Dreigestirn das Publikum im Salzburger Landestheater nun auf eine rasante Mondfahrt mit.
Joseph Haydns opera buffa ist das Verwirrspiel um eine inszenierte Mondlandung. Zu Lebzeiten des Komponisten umwarb den Erdtrabanten auch noch ein großes Mysterium. Die eigens vom Landestheater in Auftrag gegebene Dialogfassung von Tilmann von Blomberg nach Carlo Goldonis Libretto ist in der Mitte des vergangenen Jahrhunderts kurz vor der ersten Mondlandung angesetzt. Gergen inszeniert stilecht von der Elvis-Tolle bis zum Strickpullunder, und der vermeintliche Mond mutiert zum Hippie-Planeten mit psychedelischen Farben und viel Schwarzlicht.
Das Landestheater schöpft aus allen Reserven. Die Mitglieder des Ballettensembles springen als Mondbewohner in aufwendigen Kunsthaarkreationen über die Bühne, ein Akrobat (David Pereira Nieto) verbiegt sich auf einem Einkaufswagen und sogar ein kleiner Roboter flitzt in bester Star-Wars-Manier über die Bühne. Science-Fiction-Fans kommen mit zahlreichen Filmanspielungen auf ihre Kosten. Die ständige Aktion mit gut platzierten Slapstick-Momenten verleiht der Inszenierung ihr Tempo und die nötige Würze.
Wenn auch nicht immer durchwegs solide, das Solistenensemble liefert neben der gesanglichen vor allem eine beachtliche schauspielerische Leistung ab. Allen voran Sergio Foresti als alter Bonafede, der als liebenswert-naiver Vater über den Mond stolpert und auch stimmlich mit großer Ausdrucksstärke überzeugt.
Für sein junges Alter ungemein stark ist auch Maximilian Krummen als Ecclitico, der mit Leichtigkeit und Flexibilität besticht und offensichtlich große Freude am Spielen hat. Franz Supper und Simon Schnorr beweisen an diesem Abend wieder einmal, dass das Salzburger Landestheater auf seine Lieblings-Buffos setzen kann. Vor allem Supper hat als Mondherrscher mit Rastazöpfen die Lacher auf seiner Seite. Bei den Damen sticht klar Rowan Hellier als Lisetta mit dunklem, samtigen Klang hervor.
Auch Mirga Grazinyte-Tyla (musikalische Leitung) muss gelobt werden. Sie schafft Ausgeglichenheit zwischen Sängern und Musikern und entlockt dem Mozarteumorchester einen durchwegs vollen Klang. Die Stimmigkeit zieht sich auch hier weiter. So viel Spaß und Aktion wurde vom Salzburger Publikum zurecht mit ausgelassenem Premierenjubel belohnt.
(S E R V I C E - Giuseppe Verdi: „Il mondo della luna“; Inszenierung: Andreas Gergen; musikalische Leitung: Mirga Grazinyte-Tyla; Mozarteumorchester und Ballett des Salzburger Landestheaters; Kostüme: Regina Schill; Bühnenbild: Stephan Prattes; Mit Maximilian Krummen als Ecclitico, Simon Schnorr als Ernesto, Sergio Foresti als Bonafede, Laura Nicorescu als Clarice, Tamara Ivanis als Flaminia, Rowan Hellier als Lisetta, Franz Supper als Cecco, Franz Supper, Simon Schnorr, Elliott Carlton Hines und Raimundas Juzuitis als Scolari, David Pereira Nieto als Akrobat; Weitere Aufführungen am 22.9., 29.9., 7.10., 13.10., 29.10., 13.11., 18.,11., 20.11., 11.12. und 27.12.; Salzburger Landestheater, Schwarzstraße 22, 0662/87 15 12-0; www.salzburger-landestheater.at)