Überfällige Sieger und politische Statements bei 67. Emmy-Verleihung
Los Angeles (APA) - Seine Abkürzung über den Bühnenrand sagte alles: Seit dem Start der viel gepriesenen Serie „Mad Men“ Jahr für Jahr bei d...
Los Angeles (APA) - Seine Abkürzung über den Bühnenrand sagte alles: Seit dem Start der viel gepriesenen Serie „Mad Men“ Jahr für Jahr bei den Emmy Awards für seine Darstellung des smarten Werbetexters Don Draper nominiert, hat es für Jon Hamm beim achten Anlauf endlich geklappt. Während sich der 44-Jährige zur Dankesrede am Sonntagabend (Ortszeit) in L.A. auf die Bühne zog, erhob sich das Publikum gerührt.
„Da ist offensichtlich ein schrecklicher Fehler passiert“, sagte Hamm am Sonntagabend (Ortszeit), „das ist unmöglich.“ Insgesamt 16 Emmy-Nominierungen hat der US-Schauspieler seit 2008 erhalten, darunter auch als Produzent der im Frühjahr mit der siebenten Staffel zu Ende gegangenen Erfolgsproduktion „Mad Men“ und als Gastdarsteller in der Sitcom „30 Rock“. Deren Schöpferin und Hauptdarstellerin Tina Fey war es nun, die ihrem Kollegen die lang ersehnte Trophäe überreichte - wobei das kaum Zufall gewesen sein durfte. Hamm galt zuvor als sentimentaler Favorit der Verleihung, und bedankte sich dementsprechend demütig auf der Bühne bei „all jenen Freunden und Familien, denen ich unheimlich viel verdanke“, darunter auch bei Schauspielkollegin und Ex-Freundin Jennifer Westfeldt. Die beiden gab erst kürzlich ihre Trennung nach beinahe 20 Jahren Beziehung bekannt.
Einen weiteren emotionalen Auftritt lieferte US-Komiker Tracy Morgan (46), der überraschend mehr als ein Jahr nach seinem schweren Autounfall eine Trophäe vergab. „Dank meiner Ärzte, Familie und wunderbaren, frisch gebackenen Ehefrau stehe ich hier auf meinen eigenen Beinen“, sagte der „30 Rock“-Star unter dem Applaus der zahlreichen Prominenten im Saal.
Überfällig galt neben Hamms Triumph in der Hauptdarsteller-Kategorie auch jener bei den Frauen: Als erste Schwarze überhaupt wurde Viola Davis für ihre Rolle der Juraprofessorin und Strafverteidigerin Annalise Keating in der Krimiserie „How to Get Away with Murder“ ausgezeichnet. „Das einzige, was farbige Frauen von allen anderen unterscheidet, sind Gelegenheiten“, sagte die 50-Jährige in ihrer Dankesrede. „Man kann keinen Emmy für Rollen gewinnen, die es einfach nicht gibt.“ Die damit angesprochene Serienschöpferin Shonda Rhimes, die auch in Erfolgsserien wie „Grey‘s Anatomy“ oder „Scandal“ starke Frauen in den Vordergrund stellt, reagierte auf Twitter mit nur einem Wort: „Sprachlos“. Zuvor hatte Moderator Andy Samberg die bis dato „vielfältigste Emmy-Nominierungsliste“ hervorgehoben. „Rassismus gibt es nicht mehr“, meinte er augenzwinkernd. „Aber überprüft das lieber nicht.“
Den Anlass für politische Reden gaben auch die Auszeichnungen für „Transparent“. Sowohl Hauptdarsteller Jeffrey Tambor, der in der Amazon-Serie hingebungsvoll die Transsexuelle Maura Pfefferman verkörpert, als auch Serienschöpferin Jill Soloway, die für ihre Regieleistung geehrt wurde, widmeten ihre Preise der Transgender-Community. „Danke für eure Geduld. Danke für euren Mut. Danke für eure Geschichten“, sagte Tambor, der mit 71 Jahren seinen ersten Emmy erhielt.
Auch für den Versandhändler Amazon waren es die ersten Emmy-Auszeichnungen, wenn zunehmend erfolgreiche Streaming-Dienste an diesem Abend auch hinter den Erwartungen zurückblieben: Zwar holte etwa Uzo Aduba (34) den Emmy als beste Nebendarstellerin in der Gefängnisserie „Orange is the New Black“. Doch abgeräumt hat in den Hauptkategorien der US-Kabelsender HBO: Das Fantasy-Epos „Game of Thrones“ holte zwölf Emmys, darunter erstmals als beste Dramaserie, laut „Variety“ so viele wie zuvor keine andere Serie in einem Jahr. Als beste Comedy-Serie wurde die von HBO produzierte Politsatire „Veep“, als beste Miniserie „Olive Kitteridge“ ausgezeichnet - und auch deren Hauptdarsteller Julia Louis-Dreyfus respektive Frances McDormand und Richard Jenkins konnten sich über Ehrungen freuen.
Für US-Medien war die 67. Emmy-Verleihung vor allem eine der wohlverdienten Sieger. So holte Jon Stewart wenige Wochen nach seinem Abschied als Talkmaster der „Daily Show“ den Preis für die beste „Variety Talk Series“; Komikerin Amy Schumer, die gerade mit ihrem ersten Kinofilm „Dating Queen“ durchstartet, wurde für ihre Sketchshow „Inside Amy Schumer“ in einer brandneuen Kategorie geehrt. Und Allison Janney zieht mit dem Preis als beste Nebendarstellerin in der Comedy-Serie „Mom“ (zweite Staffel voraussichtlich ab Frühjahr auf ORF eins) mit Ed Asner gleich, der wie sie auf bisher sieben Schauspielehrungen zurückblicken kann.
(S E R V I C E - Alle Gewinner unter http://go.apa.at/iOUCOCKd)