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„VW ist nur die Spitze des Eisbergs“

© APA/dpa-Zentralbild/Jan Woitas

Laut dem deutschen Verkehrsclub manipulieren viele Autokonzerne ihre Abgastests. Dem Fiskus entgehen Millionen an Steuern.

Berlin –Der Skandal um manipulierte Abgaswerte bei Volkswagen in den USA ist laut dem ökologischen Verkehrsclub Deutschland (VCD) nur „die Spitze des Eisbergs“. Bereits 2013 habe der VCD den Verdacht geäußert, dass die Abgaswerte bei offiziellen Tests viel niedriger sind als im realen Verkehr, und in den Folgejahren immer wieder Nachprüfungen gefordert, erklärte gestern der VCD.

„Es ist mit Sicherheit anzunehmen, dass neben Volkswagen auch andere Konzerne die Abgaswerte manipulieren und das nicht nur in den USA“, erklärte der verkehrspolitische Sprecher des VCD, Gerd Lottsiepen. Die EU müsse nun reagieren, forderte Lottsiepen. Zwar sei die Einführung von Realmessungen von Luftschadstoffen schon beschlossen, die Hersteller versuchten aber bereits, sich Schlupflöcher zu sichern. Die EU müsse ehrliche Tests ohne Wenn und Aber beschließen.

Beim Vorwurf der Manipulation gehe es dann nicht nur um das gesundheitsschädigende Stickstoffdioxid NO2 aus Dieselmotoren und die Partikel aus direkteinspritzenden Benzinern, sondern auch um das Treibhausgas CO2 und damit den Kraftstoffverbrauch.

Seit 2003 werde die Kfz-Steuer teilweise nach dem CO2-Ausstoß festgesetzt. Allein bei den Neuwagen eines Verkaufsjahres entgingen dem deutschen Fiskus durch Hersteller-Tricksereien über 200 Mio. Euro Einnahmen pro Jahr, rechnete Lottsiepen vor.

Auch der deutsche Umweltschutzverband Nabu hält es für naheliegend, dass neben VW auch andere Hersteller manipulierten, und zwar auch in Europa. Der Abgas-Skandal in den USA müsse ein Weckruf für Behörden sein. Auch bei den Verbrauchsgrenzwerten tricksten die Hersteller „bis tief in den dunkelgrauen Bereich“. (APA, AFP)