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„Kein Atomstrom ist Märchen“

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Laut E-Control gibt es in Österreich kaum noch Grau- bzw. Atomstrom. Umwelt- und Branchen-Lobbyisten kritisieren den Bericht heftig.

Wien –Zum Teil heftige Reaktionen hat der gestern veröffentlichte Bericht der E-Control zur Stromkennzeichnungspflicht bei Umweltaktivisten und Branchen-Lobbyisten ausgelöst.

Laut E-Control stieg der Anteil von Strom aus erneuerbaren Quellen 2014 auf 89,1 Prozent. „Neun von zehn gelieferten Kilowattstunden waren zu 100 Prozent mit Ökostrom gekennzeichnet“, betonte E-Control-Vorstand Martin Graf. Der Atomstromanteil sank rein rechnerisch von 2,5 auf 0,1 Prozent. Der Anteil fossiler Energieträger sank um vier Prozent auf 10,4 Prozent. Der Anteil von Graustrom (Strom unbekannter Herkunft) sei auf nahezu null gesunken. Umweltaktivisten und Branchen-Lobbyisten wiesen die Feststellungen der E-Control bezüglich Atomstromfreiheit als falsch zurück. Es handle sich um eine Mogelpackung, um ein Märchen, meinte Stefan Moidl, Geschäftsführer der IG Windkraft, denn der Stromkennzeichnungsbericht zeige, dass Österreich seinen Stromverbrauch noch immer mit bis zu elf Prozent Atomstrom decke. Auch die Kleinwasserkraft Österreich meinte, diese Art der Stromkennzeichnung verschleiere Atomstromimporte. Moidl kritisiert auch den „in der Realität sehr hohen“ Anteil an Strom­importen aus Ländern wie Tschechien und Deutschland, die einen sehr hohen Kohle- und Atomstromanteil hätten.

In diesem Kontext lässt ein Bericht der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) aufhorchen. Sie kritisiert, dass die Nutzung fossiler Energieträger, weltweit immer noch massiv gefördert wird. So förderten 2014 die Mitgliedsländer der OECD fossile Energieträger wie Öl, Kohle und Gas mit fast 70 Mrd. Dollar, Geld das, so die OECD, besser in Bildung oder Infrastruktur investiert werden sollte. Zudem untergrabe dies die Bemühungen, die Wirtschaft von fossilen Energieträgern unabhängiger zu machen. (APA, TT)