Papst macht sich auf den Weg ins berühmte Holguin im Südosten Kubas

Havanna (APA/AFP) - Nach seinem begeisterten Empfang und einer großen Messe in Havanna hat sich Papst Franziskus am Montag in die Stadt Holg...

Havanna (APA/AFP) - Nach seinem begeisterten Empfang und einer großen Messe in Havanna hat sich Papst Franziskus am Montag in die Stadt Holguin im Südosten der Insel begeben. Zur Morgenmesse auf dem Revolutionsplatz Calixto Garcia wurden 150.000 Menschen erwartet. Es ist das erste Mal, dass die Stadt einen Papst empfängt. In Havanna hatte Franziskus am Sonntag zum „Dienen“ ohne jede Ideologie aufgerufen.

Holguin liegt in der gleichnamigen Provinz und ist unter anderem für sein fünf Meter hohes Kreuz berühmt, das auf einem Hügel die Stadt überragt. Franziskus wollte es nach seiner Messe aufsuchen. Die Stadt liegt außerdem unweit des Geburtsorts von Revolutionsführer Fidel Castro und seinem Bruder Raul, dem derzeitigen Staatschef. Nach seinem Aufenthalt in Holguin wollte Franziskus seine Reise in Santiago fortsetzen.

Am Sonntag hielt der Papst eine Freiluftmesse auf dem symbolträchtigen Platz der Revolution in Havanna und warnte vor Ideologien und Selbstbezogenheit. „Christen sind ständig aufgerufen, ihre eigenen Wünsche und Begierden beiseite zu lassen, ihren Drang nach Macht, und sich stattdessen den Verletzlichsten zu widmen“, sagte er. Dieses Dienen sei niemals ideologisch, weil die Gläubigen nicht Ideen, sondern Menschen dienten.

Zugleich warnte der Papst vor einem Scheitern der Friedensgespräche zwischen der kolumbianischen Regierung und der linken FARC-Guerilla und forderte beide Seiten zur endgültigen Versöhnung auf. An der Messe nahmen auch 3.500 offizielle Gäste teil, darunter Kubas Staatschef und die argentinische Präsidentin Cristina Kirchner.

Schon Stunden vor der Ankunft des 78-jährigen Papstes war der Platz, voller Menschen. Bei seiner Ankunft im „Papamobil“ wurde Franziskus von Zehntausenden Kubanern begrüßt.

Sicherheitsbeamte in Zivil nahmen drei Dissidenten fest, die sich unter „Freiheit, Freiheit“-Rufen bis auf wenige Meter dem Papst nähern konnten, wie ein AFP-Reporter berichtete. Sie gehörten der Dissidentenbewegung Unpacu an, wie deren Chef Jose Daniel Ferrer bestätigte. Er sprach von mindestens vier Festnahmen.

Führende Dissidenten hatten vorab kritisiert, dass Franziskus nicht auf ihre Bitte um ein Treffen während seines Kuba-Besuchs eingegangen war. Die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) sprach am Montag außerdem von über 30 Festnahmen im Vorfeld der Messe in Havanna. Die Behörden hätten verhindern wollen, dass die Demokratieaktivisten, darunter allein 20 Mitglieder der Vereinigung „Damen in Weiß“, an der Messe teilnehmen.

Franziskus war am Samstag zu einem viertägigen Besuch in Kuba eingetroffen. Am Sonntagmittag besuchte er Revolutionsführer Fidel Castro in dessen Privathaus in Havanna. Die Begegnung habe „in sehr familiärer und informeller Atmosphäre“ stattgefunden, berichtete Vatikansprecher Federico Lombardi.

Später sprach Franziskus im Regierungssitz hinter verschlossenen Türen mit Staatschef Raul Castro. Zum Inhalt des Gesprächs wurde nichts mitgeteilt. Der Staatschef hatte den Papst bereits bei seiner Ankunft begrüßt. Danach forderte Franziskus in einer Ansprache Freiheit für die Arbeit der Kirche in dem kommunistischen Inselstaat.

Am Sonntag leitete Franziskus Abendgebete in der Kathedrale von Havanna und rief zur Bescheidenheit auf. „Reichtum macht uns arm“, sagte er. Anschließend wandte er sich an eine Menge Jugendlicher, die sich im Nieselregen vor der Kathedrale versammelt hatten und forderte sie auf, niemals die Hoffnung zu verlieren. „Vergesst nicht, zu träumen“, sagte der Papst. Franziskus will am Dienstag weiter in die USA fliegen.