VW-Dieselskandal - Gabriel nennt Manipulation „schlimm“

Wolfsburg (APA/AFP/dpa/Reuters) - Deutschlands Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel hat die Abgasmanipulationen von Volkswagen in den USA heft...

Wolfsburg (APA/AFP/dpa/Reuters) - Deutschlands Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel hat die Abgasmanipulationen von Volkswagen in den USA heftig kritisiert. „Dass das ein schlimmer Vorfall ist, ist glaube ich klar“, sagte der SPD-Chef am Montag in Berlin. „Dass wir Sorgen haben, dass der berechtigte, exzellente Ruf der deutschen Automobilindustrie und insbesondere Volkswagens darunter leidet, das können Sie sicherlich verstehen.“

Gabriel sagte, er gehe aber davon aus, dass das Unternehmen schnell und restlos den Fall aufkläre und die eingetretenen Schäden wiedergutmachen werde. „Ich halte das nicht für typisch“, so Gabriel. Es werde wohl kein dauerhafter Schaden für die deutsche Industrie entstehen.

Das deutsche Umweltministerium spricht von „einem Fall von eklatanter Verbrauchertäuschung und Umweltschädigung“. „Ich erwarte, dass VW lückenlos aufklärt“, sagte Staatssekretär Jochen Flasbarth am Montag in Berlin. Er sehe nun alle deutschen Autobauer in der Pflicht zu prüfen, ob auch Abgaswerte anderer Pkw-Modelle in ähnlicher Weise manipuliert wurden. Der Ausstoß von Diesel-Autos müsse schnell und deutlich sinken.

Wegen des VW-Skandals fordert der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) die Überprüfung sämtlicher Diesel-Modelle neuerer Bauart. „Alle Diesel-Fahrzeuge, die die neue Euro-6-Norm erfüllen, müssen auf den Prüfstand“, sagte der BUND-Vorsitzende Hubert Weiger am Montag in Berlin.

Die Kosten für eine entsprechende Rückrufaktion und eventuell notwendige Nachrüstungen müssten die Hersteller übernehmen. „Dem Kunden sind schließlich entsprechende Grenzwert-Einhaltungen garantiert worden.“

Der BUND-Chef kritisierte die Messverfahren in Deutschland: „Im Testbetrieb schneiden Diesel-Fahrzeuge oftmals besser ab als im Realbetrieb, weil beispielsweise die Test-Messungen nur bis zu einer Maximalgeschwindigkeit von 120 Stundenkilometer durchgeführt werden.“ Auf Autobahnen werde aber erheblich schneller gefahren. Daher müssten alle Autos ab sofort im Realbetrieb auf Schadstoffe getestet werden.

Weiger verlangte gleichzeitig eine Anpassung der Stickoxid-Grenzwerte: „Die strengeren US-Auflagen für Diesel-Fahrzeuge müssen auch in Deutschland und Europa gelten.“ Laut BUND werden die Stickstoffdioxid-Grenzwerte in einer Vielzahl deutscher Städte und Regionen überschritten. Das sei mittlerweile ein erheblich größeres Problem als Feinstaub. „Hauptverursacher für diese Überschreitungen sind Diesel-Fahrzeuge“, betonte Weiger, der auch Vorsitzender des Bundes Naturschutz in Bayern ist.

Der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) hat Volkswagen aufgefordert, die Manipulationen von Abgastests bei Diesel-Fahrzeugen in den USA schnell aufzuklären. „Das Bestreben von Volkswagen, bis 2018 zum umweltfreundlichsten Autokonzern der Welt zu werden, ist stark beschädigt“, sagte Nabu-Bundesgeschäftsführer Leif Miller am Montag laut Mitteilung. Seine Organisation kritisiere seit langem, dass die Abgaswerte vieler Fahrzeuge nur auf dem Prüfstand eingehalten und in der Praxis deutlich überschritten würden.

Es sei naheliegend, „dass neben VW auch andere Hersteller manipulieren und zwar auch in Europa“, ergänzte Miller. Die EU-Kommission und die Bundesregierung müssten dem nun schleunigst nachgehen. Sie müssten die Abgastests anpassen „und diese um Messungen im realen Fahrbetrieb erweitern“, verlangte er.

Volkswagen ist seit 2003 ein Kooperationspartner des Nabu. So veranstalten beide zusammen etwa Spritspar-Trainings für Autofahrer. VW unterstützt Naturschutzprojekte des Nabu, unter anderem ein Schutzprojekt für Wölfe.

Auch die Brüsseler EU-Kommission hofft auf Aufklärung. Die Behörde stehe im Kontakt mit dem Autobauer und mit den involvierten US-Behörden. „Es ist zu früh, um etwas darüber zu sagen, ob irgendwelche besonderen sofortigen Überwachungsmaßnahmen in Europa nötig sind und ob von Volkswagen in Europa verkaufte Fahrzeuge ebenfalls betroffen sind“, erklärte eine Sprecherin am Montag auf Anfrage. „Wir nehmen die Sache sehr ernst.“

Derzeit könne der in Tests gemessene Schadstoff-Ausstoß von Diesel-Fahrzeugen beträchtlich vom Ausstoß beim Fahren auf der Straße abweichen, erklärte die Sprecherin - allerdings „ohne jedes Fehlverhalten“. Deshalb gelten ab dem kommenden Jahr neue EU-Regeln für Tests unter realistischeren Bedingungen.

Abgas-Grenzwerte und Tests werden auf EU-Ebene festgeschrieben. Die Durchsetzung, mögliche Rückrufe oder Sanktionen liegen indes in der Verantwortung der EU-Staaten.

Volkswagen hatte am Wochenende Abgas-Manipulationen in den USA zugegeben, die dem Autobauer eine Milliarden-Strafe einbrocken könnten. Die US-Umweltschutzbehörde EPA verdächtigt VW, bei Diesel-Fahrzeugen die Abgasvorschriften umgangen zu haben.

~ ISIN DE0007664039 WEB http://www.volkswagenag.com ~ APA356 2015-09-21/14:22