Tischtennis: Situation um Plastikbälle unverändert problematisch
Schwechat (APA) - In der hochsensiblen Sportart Tischtennis gibt es seit gut einem Jahr bzw. der Einführung der Plastik- statt der Zelluloid...
Schwechat (APA) - In der hochsensiblen Sportart Tischtennis gibt es seit gut einem Jahr bzw. der Einführung der Plastik- statt der Zelluloidbälle einen weiteren diffizilen Faktor. Nur drei bis vier Firmen weltweit treten da als Hersteller auf, bei den Europameisterschaften von Freitag bis 4. Oktober in Jekaterinburg wird zudem mit einem selten verwendeten Ball von Nittaku gespielt. Das bringt zusätzlichen Reiz.
Denn die Umstellung auf dieses Spielgerät ist für die Spitzenspieler nicht einfach. „Die EM-Bälle haben ein ganz anderes Sprungverhalten“, erklärte Österreichs Nationalspieler Stefan Fegerl am Montag im Multivesum in Schwechat bei einer Pressekonferenz. „Wir trainieren aber schon seit einer Woche mit diesen Bällen“, fügte Robert Gardos an, Österreichs Nummer eins. „Das ist sicher ein Vorteil gegenüber anderen Nationen.“
Dabei wurden diesmal von der japanischen Firma gleich 40-mal soviel Bälle an die ÖTTV-Teams geliefert wie vor den Europameisterschaften 2014 in Lissabon, als ebenfalls mit diesem Fabrikat gespielt wurde. Trotzdem sind das je nur 240 Bälle für ÖTTV-Herren und -Damen, wobei die Lieferung an die Damen an deren Trainingsstätte Linz am Freitag abgegeben worden sein soll, aber bis Montag zumindest nicht auffindbar war.
Die zwölf 2014 gesandten Bälle waren im Vergleich so gut wie nichts. „Das war eine Verhöhnung“, meinte ÖTTV-Generalsekretär Rudolf Sporrer. In der Werner Schlager Academy (WSA) gibt es im Jahr einen Ballverschleiß von 40.000 Stück, in jeder Einheit 40. Sporrer: „Die Haltbarkeit der Bälle ist unzufriedenstellend.“ Bei den Austrian Open wurde zuletzt bewusst darauf geachtet, um in den Finali nicht ohne Bälle dazustehen.
Zumindest eben Österreichs Herren-Team reist in der Nacht auf Mittwoch mit einer guten Einstellung auf das seltene Ball-Fabrikat nach Jekaterinburg. Kurios: Die Medaillen werden dort wie im vergangenen Juni bei den Europaspielen in Baku auf asiatischem Boden vergeben. Gespielt wird in einer neuen Halle, wie Gardos zu berichten wusste. Er hatte die Saison 2009/10 für den UMMC Jekaterinburg bestritten.
„Das Hauptaugenmerk liegt sicher auf dem Mannschaftsbewerb“, argumentierte Fegerl. Hier geht es gleich mit vollen Akkorden los, die Gruppenspiele werden schon am Samstag abgeschlossen. Bei den ÖTTV-Herren hofft Bundestrainer Qian Qianli auf die intakte Einsatzbereitschaft von Daniel Habesohn. Der Wiener hat sich in der vergangenen Woche in einem chinesischen Restaurant eine Lebensmittelvergiftung zugezogen.
„Ich habe vier Kilo verloren und bin auch noch auf Diät“, berichtete Österreichs Nummer drei. „Aber ein paar Tage habe ich noch.“ Fegerl hob die Bedeutung des Vize-Europameisters im Doppel hervor. „Danny spielt gegen Linkshänder sehr gut, da brauchen wir ihn im Team unbedingt“, erläuterte der Niederösterreicher. Weiteres Team-Mitglied ist Dominik Habesohn, seit (dem heutigen) Montag 27 Jahre alt.
Auf dem anderen Ende der Altersskala steht Chen Weixing, der 43-Jährige coacht seit Jänner zudem in der Werner Schlager Academy (WSA). „Ich trainiere nur einmal am Tag. Da kann ich mit dem Coaching für mein Leben nach der Karriere probieren“. Österreichs EM-Damen-Team bilden Liu Jia, Sofia Polcanova, Amelie Solja und Li Qiangbing. Die Teambewerbe dauern bis Dienstag nächster Woche, es folgen Einzel und Doppel.