Iran übergab IAEA Proben aus umstrittener Militäranlage Parchin

Teheran (APA/AFP) - Der Iran hat der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) am Montag Proben aus der umstrittenen Militäranlage Parchin ü...

Teheran (APA/AFP) - Der Iran hat der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) am Montag Proben aus der umstrittenen Militäranlage Parchin übergeben. Zuvor hatte IAEA-Generaldirektor Yukia Amano nach langem Drängen die verdächtige Anlage besuchen dürfen, in der Sprengstofftests für die Entwicklung von Atomwaffen vorgenommen worden sein sollen.

Amano sprach von „bedeutenden Fortschritten“ bei der Untersuchung zur „möglichen militärischen Dimension“ des iranischen Atomprogramms.

Wie der Sprecher der iranischen Atomenergiebehörde, Behrus Kamalwandi, mitteilte, wurden der IAEA Proben aus Parchin übergeben. Die „Umweltproben von bestimmten Orten innerhalb des Parchin-Komplexes“ seien vergangene Woche von iranischen Experten in Abwesenheit von Inspekteuren der IAEA entnommen worden, sagte Kamalwandi. Amano sagte dazu, die Proben seien gemäß den „etablierten Verfahren“ der IAEA entnommen worden.

Im Hinblick auf zu erwartende Zweifel an der Glaubwürdigkeit der Proben sagte der IAEA-Direktor, seine Behörde könne „die Integrität des Probenprozesses und die Authentizität der Proben bestätigen“. Amano äußerte sich in Wien nach einem Besuch in Teheran, bei dem er überraschend die Militäranlage Parchin besuchen konnte. Laut Kamalwandi inspizierte Amano in dem Stützpunkt südöstlich von Teheran mehrere Werkstätten, zu denen es „falsche Informationen“ gegeben habe.

Amano sagte, er habe mit dem IAEA-Chefinspekteur Tero Varjorante ein bisher unzugängliches Gebäude inspiziert. Dieses sei offenbar kürzlich renoviert worden, Geräte hätten sich nicht darin befunden. IAEA-Experten würden sich in den kommenden Wochen zu den neuen Informationen äußern. Der Iran hatte eine Inspektion von Parchin durch die IAEA lange mit der Begründung abgelehnt, es handle sich um einen Militärstützpunkt und nicht um eine Atomanlage.

Eine Inspektion der Militäranlage gehörte seit Jahren zu den Kernforderungen der IAEA. Die UN-Organisation hat den Verdacht, dass der Iran in Parchin Sprengstofftests für die Entwicklung von Atomsprengköpfen vornahm. Sie beklagte in der Vergangenheit immer wieder, dass ihren Inspektoren nicht umfassender Zugang zu allen verdächtigen Anlagen gewährt worden sei. Teheran warf der IAEA wiederum vor, ihre Vorwürfe auf falsche Dokumente der Geheimdienste Israels und der USA zu stützen.

Eine Klärung des Verdachts, dass der Iran bis mindestens 2003 ein militärisches Atomprogramm betrieb, ist notwendig, damit die IAEA grünes Licht für das Atomabkommen geben kann, das Mitte Juli in Wien zwischen dem Iran und der Gruppe der fünf UN-Vetomächte und Deutschland geschlossen worden war. Die IAEA will bis Mitte Dezember einen abschließenden Bericht zu den Vorwürfen vorlegen. Amano sagte am Montag aber, dafür bleibe noch „viel Arbeit“ zu tun.

Der Iran und die Gruppe der UN-Vetomächte und Deutschland hatten sich im Juli auf ein Abkommen geeinigt, das dem Land die friedliche Nutzung der Atomtechnologie ermöglichen, es zugleich aber an der Entwicklung von Atomwaffen hindern soll. Zudem vereinbarte Teheran mit der IAEA, ausstehende Fragen zur „möglichen militärischen Dimension“ seines Atomprogramms zu klären. Die IAEA ist auch dafür zuständig, die Einhaltung des Atomabkommens im Iran zu überprüfen.

(Alternative Schreibweise: Partschin)

~ WEB http://www.iaea.org/ ~ APA412 2015-09-21/15:18