Moldauischer Notenbankgouverneur tritt zurück
Chisinau (APA) - In der Affäre um die sogenannte „gestohlene Milliarde“, die aus Moldaus Bankensystem verschwand, hat es nun die ersten Kons...
Chisinau (APA) - In der Affäre um die sogenannte „gestohlene Milliarde“, die aus Moldaus Bankensystem verschwand, hat es nun die ersten Konsequenzen gegeben. Am Montag traten der Nationalbankgouverneur Dorin Dragutanu und sein erster Stellvertreter, Marin Molosag, zurück.
Dragutanu beschuldigte die Politik, dass sie den „Raub des Jahrhunderts“ eigentlich nicht aufklären wolle. Der liberaldemokratische Premierminister Valeriu Strelet wolle vielmehr die Nationalbank zum „Sündenbock „ machen. „Grund des Rücktritts ist der Druck der Politiker“, sagte Dragutanu, der seit 2009 Notenbankgouverneur ist.
Ende 2014 erlebte das moldauische Banksystem einen beispiellosen Betrugsfall, bei dem aufgrund dubioser Kredite rund 750 Mio. US-Dollar (656,80 Mio. Euro) aus den Konten dreier wichtiger Banken, darunter einer staatlichen, verschwunden sind. Deren Spur verlor sich auf Off-Shore-Konten, wie ein Bericht der Buchprüfer der US-amerikanischen Firma Kroll bestätigte.
Dragutanus Rücktritt erfolgt nur einen Tag vor dem Eintreffen einer Delegation des Internationalen Währungsfonds (IWF) in Chisinau. Die Republik Moldau strebt die Unterzeichnung eines neuen Abkommens mit dem IWF an.
Vor dem Hintergrund der Belastung durch das russische Lebensmittelimportembargo und den Ukraine-Konflikt hat die Bankkontenaffäre die Wirtschaftskrise in der Republik Moldau deutlich verschärft. Die zögerlichen und ergebnislosen Maßnahmen der Politiker und Behörden in dem Fall führten zuletzt zu großer Empörung in der Bevölkerung - bei mehreren Großdemonstrationen gegen die Korruption im Land wurde der Rücktritt der Regierung und des Staatschefs eingefordert.