Wintersport

Doping-Verdacht: Ermittlungen gegen Tiroler Langläufer Wurm

Der Tiroler Langläufer Harald Wurm.
© GEPA pictures/ Daniel Götzhaber

Auch im Jahr nach dem spektakulären Dopingfall Johannes Dürr kommt Österreichs Langlauf-Lager nicht zur Ruhe. Im Fokus: der Tiroler Harald Wurm.

Von Florian Madl und Thomas Hörmann

Innsbruck – Es war ein ano­nymer Brief, der den Stein für die TT ins Rollen brachte. Noch gilt die Unschuldsvermutung, und trotzdem: Der Verdacht auf Dopingmissbrauch bei Langläufer Harald Wurm erhielt zuletzt Nahrung. Laut David Müller von der Nationalen Anti-Doping-Agentur (NADA Austria) steht man im „engen Kontakt mit den Behörden“: „Die NADA ist informiert, es handelt sich um eine laufende Ermittlung.“ Deshalb wolle Müller vorerst auch keine Stellungnahme abgeben. Die Innsbrucker Staatsanwaltschaft hält sich diesbezüglich auch bedeckt: „Ich kann dazu nichts sagen“, erklärt Hansjörg Mayr, Sprecher der Innsbrucker Ankläger, auf Anfrage der TT. Dennoch sickerte durch, dass gegen den Sportler Ermittlungen eingeleitet wurden. Dabei geht es angeblich um Hinweise in Richtung Doping – dieser Verdacht wird derzeit geprüft.

Der 31-jährige Vomper, U23-Weltmeister im Sprint, mehrfacher WM-Teilnehmer und österreichischer Meister, war für die Tiroler Tageszeitung gestern nicht erreichbar, das galt auch für ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel. Gerald Heigl indes, der in seiner Trainingsgruppe die Leitung überhat, schon: Er könne nichts sagen. Wurm sei augenblicklich nicht in der Vorbereitung auf die kommende Saison, „die Sache“ werde sich in den nächsten Tagen wohl klären.

Dem Vernehmen nach darf Wurm vorerst an keinen Kaderaktivitäten des Skiverbands wie dem laufenden Kurs in der Ramsau teilnehmen. Josef Schmid, Pressesprecher des Österreichischen Skiverbands, bestätigte das auf Anfrage nicht: Von Kaderaktivitäten sei Wurm darüber hinaus „nicht ausgeschlossen“. Allerdings: „Wir wissen, dass eine Hausdurchsuchung stattgefunden hat. Noch müssen wir warten, bis wir etwas haben, und werden deshalb keine Spekulationen anstellen.“

Schon im vergangenen Jahr, als der Dopingfall des Niederösterreichers Johannes Dürr während der Olympischen Winterspiele in Sotschi an die Öffentlichkeit gelangt war, hatte das heimische Langlauf-Lager Aufklärungsbedarf der unangenehmen Art. ÖSV-Präsident Schröcksnadel hatte in einer ersten Reaktion sogar in den Raum gestellt, man könnte sich von der Langlauf-Sparte trennen. Wenige Monate vor der – letztlich geglückten – nordischen WM-Bewerbung im Juni hatte der 74-Jährige den Gedanken wieder verworfen.

Ausgerechnet für den WM-Organisationschef Werner Frießer kam die Nachricht gestern wie ein Blitz aus heiterem Himmel: „Ich weiß noch von nichts.“ Den Seefelder Bürgermeister träfe eine Dopingsperre Wurms doppelt, sponsert die Plateau­gemeinde doch den Vomper. „Sollten die Ermittlungen zu einem positiven Ergebnis führen, müsste Wurm die Konsequenzen tragen. Das ist vertragsrechtlich geregelt.“ Für die WM in Seefeld befürchtet Frießer indes keinen Imageschaden: „Das ist ein Einzelfall wie auch zuvor schon der Fall Johannes Dürr.“