Rote Haare über roten Turnschuhen
Nach „Anfang 80” erzählen Sabine Hiebler und Gerhard Ertl auch in ihrem neuen Film „Chucks“ eine Geschichte über die Liebe und den Tod.
Innsbruck –Es waren zwei unterschiedliche Liebespaare, über die 2012 in den Überraschungserfolgen in den österreichischen Kinos und Buchhandlungen erzählt wurde. In Sabine Hieblers und Gerhard Ertls Film „Anfang 80“ fand ein von Karl Merkatz gespielter Rentner mit einer Dame noch einmal den Taumel der Liebe, die ihn zum Sterbehelfer der todkranken Frau reifen lässt. In Cornelia Travniceks Roman „Chucks“ begleitete ein orientierungsloses Mädchen ihren an Aids sterbenden Freund, um anschließend ein Buch darüber zu schreiben. Diesen Roman haben Sabine Hiebler und Gerhard Ertl als Vorlage für ihren neuen Film gewählt. „Chucks“ ist so etwas wie ein Remake von „Anfang 80” für jugendliche Zuschauer geworden. Beim Festival des Films du Monde de Montréal wurde „Chucks“ vor einer Woche mit dem Publikumspreis belohnt.
Mae (Anna Posch) bewegt sich mit ihrer rotgefärbten Mähne in der Wiener Punkszene. Man lebt in besetzten Häusern, Polizeirazzien gehören zum Alltag. Die Erinnerungen an den Krebstod ihres Bruders, an dem schon die Ehe ihrer Eltern zerbrochen ist, haben aus dem Mädchen eine schwierige Persönlichkeit gemacht. Als Symbol für die Trauer stehen die „Chucks“, die roten Turnschuhe des Bruders, die Mae nach dessen Tod nicht mehr ausziehen wollte. Wegen einer Vorstrafe lenkt ein Bewährungshelfer ihre Schritte für ein Praktikum in ein Aids-Hilfe-Haus. Dort stolpert der Fotograf Paul (Markus Subramaniam) über sie, der den rotzigen Tonfall zu schätzen weiß. „Ich habe den Jackpot gezogen: Aids und Hepatitis C”, sagt er über seine Krankheit. Im Roman ist Paul ein Krankenpfleger, der von einem Patienten infiziert wurde. Der Berufswechsel eröffnet aber einen mondäneren Blick auf die Welt. Das Vergehen der Zeit illustrieren eine Katze und Plastikdosen, in denen Mae Sperma und Fingernägel des Sterbenden sammelt. Damit gelingt Mae der Zutritt in ein normales Erwachsenenleben, aus dem sie nur noch einmal verbal in der Intensivstation ausbricht, als eine Krankenschwester ihr den Zutritt mit der Katze untersagen möchte: „Da drinnen stirbt mein Freund und Sie scheißen sich wegen einer Katze an.” Später gibt es nichts mehr zu sagen und das sind die stärksten Bilder, wenn die Erinnerungen auf einem Teich davonschwimmen. (p.a.)