„Die Öscars“: Fakten und Legenden zu „heimischen“ Oscar-Erfolgen
Wien (APA) - Große Filmschaffende wie Billy Wilder, Fred Zinnemann und Otto Preminger wurden von den Nazis aus Österreich vertrieben, ehe si...
Wien (APA) - Große Filmschaffende wie Billy Wilder, Fred Zinnemann und Otto Preminger wurden von den Nazis aus Österreich vertrieben, ehe sie in Hollywood reüssierten. „Also macht es Sinn, dass der erste österreichische Film, der einen Oscar erhält, von Nazi-Verbrechen handelt“, sagte Stefan Ruzowitzky 2008 in seiner Dankesrede. Von einstigen und aktuellen „heimischen“ Oscar-Erfolgen erzählt nun „Die Öscars“.
Als Nachschlagewerk empfiehlt sich das soeben im Amalthea-Verlag erschienene Buch über „Österreich beim wichtigsten Filmpreis der Welt“ aber nicht, wie der Autor und ORF-“Seitenblicke“-Journalist Christian Reichhold selbst betont. Seine mit „historischen Fakten und Legenden“ angereicherte Auflistung heimischer Oscarpreisträger ist nämlich eine „rein subjektive“, und beinhaltet auch zahlreiche Gewinner, „die dem Ermessen des Autors nach als Österreicher gelten müssten, obwohl objektiv nicht alle von ihnen als solche gelten“.
So startet Österreichs rühmliche Oscar-Geschichte laut Reichhold nicht 1936 mit dem gebürtigen Wiener Max Steiner, sondern bereits 1934 mit William S. Darling, der für das beste Szenenbild für Frank Lloyds „Cavalcade“ ausgezeichnet wurde. 1882 in Sandorhaza in Österreich-Ungarn als Wilmos Bela Sandorhazi geboren und 1910 nach New York emigriert, wird der dreifache Oscarpreisträger hier ebenso eingemeindet wie u.a. Michael Curtiz, dessen Klassiker „Casablanca“ Reichhold ein ganzes, ausführliches Kapitel widmet. Kein Wunder also, dass er so auf rund 270 Seiten auf mehr als 100 Oscars und 300 Nominierungen für Österreicher kommt - während das Filmarchiv Austria in seinem Nachschlagewerk „Österreicher in Hollywood“ 34 Awards bei 121 Nominierungen zählt, die jüngsten Erfolge von Michael Haneke und Christoph Waltz im Jahr 2013 bereits miteingerechnet.
Den jüngsten österreichischen Oscarpreisträgern oder -nominierten widmet Reichhold dann auch die sympathischsten Kapitel in seinem Buch: Haneke (Auslands-Oscar für „Amour - Liebe“ 2013), Waltz (Oscars für „Inglourious Basterds“ 2010 und „Django Unchained“ 2013), Ruzowitzky (Auslands-Oscar für „Die Fälscher“ 2008) oder auch Götz Spielmann (nominiert für den Auslands-Oscar mit „Revanche“ 2009). Verliert sich das Buch bei früheren Stars wie Luise Rainer, Paul Muni oder Sam Spiegel mitunter in Fakten und Mythen vermischenden Erzählungen, überfordert mit Jahreszahlen und permanentem Namedropping anstatt näher auf ausgezeichnete Filme einzugehen, kann Reichhold - seit 1997 für die „Seitenblicke“ als Society-Reporter auch in Hollywood im Einsatz - hier aus eigenen Erlebnissen schöpfen.
So erzählt er von den Bemühungen des österreichischen Generalkonsuls Martin Weiss, die Akademiemitglieder von „Die Fälscher“ zu überzeugen, von Streifzügen durch Hollywood mit der überwältigten „Revanche“-Hauptdarstellerin Ursula Strauss, von Begegnungen mit dem für „Darwin‘s Nightmare“ nominierten Hubert Sauper, der sich nur ungern in der von der Academy gestellten Limousine herumchauffieren ließ, und vom abermals siegreichen Christoph Waltz, der vor versammelter Weltpresse keine deutschen Dankesworte sprechen wollte. „Christoph Waltz aber scheint zu glauben, dass ihm dabei ein Stein aus der noch recht neuen Krone fallen könnte“, zeigt sich Reichhold enttäuscht. „Er ist eben anders - geworden, und das ist doch schade.“
Es bleibt nicht der einzige Seitenhieb in der Ansammlung selbst erlebter oder nacherzählter Anekdoten, bei denen sich der Autor ab und zu „doch eher an die Legende statt an die Wahrheit“ hält. Denn Reichhold schreibt so, wie er auch seine „Seitenblicke“-Beiträge spricht: Teils pointiert und launig, teils lapidar und redundant (z.B. zum Thema amerikanischer Sicherheitsstandards), teils trotzig (weil die tatsächliche Oscar-Verleihung anfangs nur „den Kultursendungen des ORF vorbehalten“ waren), manchmal aber auch über das Ziel hinausschießend - etwa, wenn er wiederholt auf „rundumerneuerte“ Amerikanerinnen, „magersüchtige PR-Ladys“ und gehässige „Klatschtanten“ hinhaut.
Ob die „Öscar“-Geschichte demnächst fortgeschrieben wird, steht am 14. Jänner fest, wenn die Nominierungen für die 88. Oscar-Verleihung (28. Februar) verkündet werden. Aus Österreich wurde diesmal „Ich seh Ich seh“ ins Rennen um den „besten fremdsprachigen Film“ geschickt. Die biografischen Eckdaten zu Veronika Franz und Severin Fiala könnte sich Reichhold schon mal raussuchen.
(S E R V I C E - Christian Reichhold: „Die Öscars. Österreich beim wichtigsten Filmpreis der Welt“, Amalthea Signum Verlag, 256 Seiten, 24,95 Euro.)