Fest der Toleranz von der Stadtpolitik blockiert
Volkspartei und GKL/FPÖ in Kufstein verhinderten eine Subvention für ein Benefizkonzert auf der Festung zugunsten der Flüchtlinge.
Von Wolfgang Otter
Kufstein –Es waren die schrecklichen Bilder der verzweifelten Menschen auf der Flucht, die die Chefin einer Veranstaltungsagentur berührten. So erzählt es die Tirolerin, die namentlich nicht genannt werden will. „Wie helfen?“, war für sie die Frage. Als Veranstaltungsagentur lag es dann nahe, dass man es mittels einer Veranstaltung macht. So war die Idee eines Festes der Toleranz geboren.
Mitstreiter waren rasch gefunden, erste österreichweit bekannte Künstler hätten zugesagt, gratis aufzutreten. Als Veranstaltungsort kristallisierte sich immer mehr die Kufsteiner Festung heraus. Allerdings tat sich ein Problem auf: Die Agentur hätte relativ hohe Kosten für das bei Konzerten auf der Festung vorgeschriebene Sicherheitspaket zu tragen gehabt. Daher wurde ein Ansuchen an die Stadt geschrieben: Diese sollte die Kosten, deren Höhe nicht genau bekannt ist, mittels Subvention übernehmen. Das Ansuchen war auf 10.000 Euro beschränkt.
Doch aus dem Fest der Toleranz wurde nichts. Die Stadtratsfraktionen ÖVP und GKL/FPÖ erteilten ihm eine Absage. Parteifreie unter BM Martin Krumschnabel und Bürgerliste Horst Steiner hätten zugestimmt. „Ich bin da jetzt niemandem böse, aber es ist auf alle Fälle schade. Wir überlegen uns nun etwas anderes“, sagt die Agenturchefin ohne Blick zurück im Zorn.
Damit wäre die Sache eigentlich erledigt gewesen. Für die Unternehmerin genauso wie für den unterlegenen Kufsteiner Bürgermeister Martin Krumschnabel. Daher wäre die Angelegenheit wohl kaum an die Öffentlichkeit gedrungen, wenn nicht Gemeinderat Anton Frisch (Gemeinsame Kufsteiner Liste, GKL/FPÖ)plötzlich BM Krumschnabel öffentlich dafür kritisiert hätte, dass dieser angeblich ein teures „Willkommensfest“ für Flüchtlinge veranstalten und im „Flüchtlingsgutmenschenstrom“ mitschwimmen wolle.
Das löst Kopfschütteln im Rathaus aus. „Es wäre darum gegangen, mit diesen 10.000 Euro mehr Geld für Menschen auf der Flucht zusammenzubringen“, sagt BM Krumschnabel. Von einem Willkommensfest könne also keine Rede sein. GKL/FPÖ-Vizebürgermeister Walter Thaler sprach gegenüber der TT auch davon, „dass es ein Willkommenfest nicht brauche“. Für ihn wäre es aber in Ordnung, wenn die Stadt 10.000 Euro für Unterkunft und Essen für Flüchtlinge ausgibt. Auch für ÖVP-Vizebürgermeister Richard Salzburger wäre das Geld nicht sinnvoll investiert gewesen: „Man hätte nicht in der Hand, ob das wieder hereinkommt.“