Flüchtlinge - Serbien leidet an Blockade für Transit nach Kroatien

Belgrad/Zagreb (APA) - Serbien, durch das seit Jahresbeginn laut Behördenangaben rund 170.000 Flüchtlinge durchgereist sind, ist nun mit den...

Belgrad/Zagreb (APA) - Serbien, durch das seit Jahresbeginn laut Behördenangaben rund 170.000 Flüchtlinge durchgereist sind, ist nun mit den wirtschaftlichen Folgen der europaweiten Flüchtlingskrise konfrontiert, nachdem zuerst Ungarn und nun auch Kroatien die gemeinsamen Grenzübergänge geschlossen haben.

Budapest hat am Wochenende den einige Tage gesperrten, wichtigsten Grenzübergang zu Serbien, Röszke-Horgos 1, wieder für den Verkehr geöffnet.

Der einzige offene Grenzübergang zu Kroatien Batrovci-Bajakovo ist hingegen seit Montag früh nach einer Entscheidung der kroatischen Regierung für den Lkw-Verkehr gesperrt. Am Grenzübergang hat sich eine mehr als 15 Kilometer lange Kolonne aus mehr als 1.000 Lkws gebildet, berichteten Belgrader Medien am Dienstag. Alleine dies würde Verluste im Wert von mehr als 150.000 Euro bringen, errechnete der staatliche TV-Sender RTS. Dazu kämen noch Strafgelder, die Transportunternehmen wegen nicht fristgemäßer Warenlieferung zu entrichten haben würden.

Über die zwei führenden serbischen Grenzübergänge bei Horgos und Batrovci werden laut Medienberichten täglich Waren im Wert von 21 Millionen Euro befördert.

Der serbische Premier Aleksandar Vucic appellierte am Montagabend an Zagreb, den gemeinsamen Grenzübergang für den Lkw-Verkehr erneut zu öffnen. Nach Serbien verläuft dieser weiterhin unterstört. Im Gegenfall hat Vucic mit Klagen und Gegenmaßnahmen gedroht. „Alle möglichen Gegenmaßnahmen“ will die Regierung laut Justizminister Nikola Selakovic bei einer für Dienstagnachmittag einberufenen Sitzung erörtern.

Kroatiens Innenminister Ranko Ostojic hatte Montag Serbien aufgefordert, keine Flüchtlinge mehr an die kroatische Grenze zu transportieren: „Sie lenken alle Flüchtlinge nach Kroatien, und das wollen wir ändern.“ Erst dann würden die Grenzübergänge wieder geöffnet. Der Flüchtlingsanstrom erfolgte, nachdem Ungarn am letzten Dienstag seine Grenze zu Serbien für Flüchtlinge geschlossen hatte.

Die kroatische Präsidentin Kolinda Grabar-Kitarovic kritisierte unterdessen die Vorgangsweise der Regierung von Zoran Milanovic. Die Vorgangsweise der Regierung habe die diplomatischen Beziehungen Kroatiens mit den Nachbarstaaten gestört, meinte sie gegenüber dem TV-Sender „Nova“. Man könne mit der Politik der Nachbarländer einverstanden sein oder nicht, immerhin sei die Vorgangsweise nicht in Ordnung gewesen.