Flüchtlinge: Mattarella - „Stacheldraht ist illusorische Lösung“
Erfurt/Rom (APA) - Der italienische Staatschef Sergio Mattarella hat beim sogenannten Arraiolos-Treffen europäischer Staatsoberhäupter auf d...
Erfurt/Rom (APA) - Der italienische Staatschef Sergio Mattarella hat beim sogenannten Arraiolos-Treffen europäischer Staatsoberhäupter auf der Wartburg in den ostdeutschen Städten Eisenach und in Erfurt vor Grenzschließungen gewarnt. Stacheldraht sei angesichts der massiven Flüchtlingswelle eine „illusorische Lösung“, sagte Mattarella nach Angaben italienischer Medien.
Italiens Präsident drängte die EU-Mitgliedstaaten, eine einheitliche Strategie im Umgang mit der Flüchtlingsproblematik zu finden und Meinungsverschiedenheiten zu überwinden. Die Gefahr sei ansonsten, dass jene Solidarität zerstört werde, die im Wirtschafts- und Sicherheitsbereich aufgebaut worden sei. „Man muss die Angst überwinden und darf heutige Probleme nicht mit den Lösungen der Vergangenheit in Angriff nehmen“, mahnte Mattarella.
Der italienische Präsident, der am vergangenen Mittwoch auch bei seinem Besuch in Wien mit Bundespräsident Heinz Fischer über die Flüchtlingsproblematik beraten hatte, rief die EU zu „weitsichtigen Beschlüssen“ auf. Die Flüchtlingskrise müsse gelöst werden, allerdings nicht von den einzelnen EU-Ländern, sondern von Europa als ganzes.
Das italienische Innenministerium beobachtet unterdessen aufmerksam die Entwicklungen in Kroatien. Zwar gebe es bisher keine Anzeichen vermehrter Zuwanderung im angrenzenden Friaul, dennoch wurde ein Treffen mit den zuständigen Polizeichefs von Tarvis, Triest und Görz einberufen. Es sei nicht auszuschließen, dass die Flüchtlinge über Kroatien versuchen könnten, Friaul zu erreichen, hieß es danach aus dem Innenministerium.
Das italienische Parlament wiederum hat für Donnerstag den österreichischen Botschafter Rene Pollitzer eingeladen, über die Flüchtlingskrise und die Maßnahmen in Österreich zu berichten. Er soll vor dem parlamentarischen Komitee zur Umsetzung des Schengen-Abkommens im Rahmen einer Untersuchung über die Migrationsströme in Europa sprechen. Eingeladen wurde auch der ungarische Botschafter Peter Paczolay, der bereits am Mittwoch kommen soll.