„Venus“ und „Fanny“ - Frühe Zeuginnen steinzeitlicher Kunstfertigkeit
Wien/Krems (APA) - Mit der „Venus von Willendorf“ und der „Fanny von Stratzing“ förderten österreichische Archäologen 1908 und 1988 zwei spe...
Wien/Krems (APA) - Mit der „Venus von Willendorf“ und der „Fanny von Stratzing“ förderten österreichische Archäologen 1908 und 1988 zwei spektakuläre Zeugnisse altsteinzeitlicher Kunstfertigkeit zutage. Die beiden Fundorte in der Wachau (NÖ) liegen nur etwa 25 Kilometer voneinander entfernt. Vor allem die „Venus von Willendorf“ wird oft als Archetyp für die Darstellung von Weiblichkeit angesehen.
Die „Venus“ zählt zu den bekanntesten altsteinzeitlichen Fundstücken Österreichs. Die elf Zentimeter große Kalkstein-Statuette wurde nach neuen Erkenntnissen vor etwa 29.500 Jahren mit Feuerstein-Werkzeugen hergestellt. Am 7. August 1908 wurde sie im Zuge von archäologischen Grabungen begleitend zum Bau einer Bahntrasse bei dem kleinen Ort Willendorf entdeckt. Dass damals Wissenschafter anwesend waren, lag daran, dass in der Gegend des späteren Fundorts bereits Ende des 19. Jahrhunderts Ausgrabungen durchgeführt wurden.
Schon nach wenigen Tagen stießen die Forscher damals unter einer Ascheschicht auf die Figur. Bereits am Tag nach ihrer Entdeckung wurde die „Venus“ in das Naturhistorische Museum (NHM) in Wien transportiert, wo sie seither das prominenteste Sammlungsobjekt der Altsteinzeit darstellt. Die Statuette zählt laut Angaben des Museums zu den am meisten abgebildeten prähistorischen Kunstobjekten weltweit.
90 Jahre lang schlummerte die ursprünglich mit roter Farbe bemalte nackte und beleibte Frauenfigur im Tresor, bis 1998 war im Museum nur eine Kopie zu sehen. Das Original wurde der Öffentlichkeit erstmals 1998 im Rahmen einer Ausstellung im Schloss Schönbrunn gezeigt. Gemeinsam mit der eigens dafür angeschafften Hochsicherheitsvitrine übersiedelte die „Venus“ anschließend wieder ins NHM. Ab 30. September kann sie im neuen „Venuskabinett“ in den neu gestalteten prähistorischen Schausälen im NHM wieder im Original besichtigt werden.
Dieses Kabinett teilt sie sich mit der etwa 36.000 Jahre alten „Fanny“, dem ältesten Kunstobjekt Österreichs und der weltweit zweitältesten menschlichen Darstellung überhaupt. Die 7,2 Zentimeter große Statuette ist aus grünlich glänzendem Schiefer gearbeitet und wurde am 23. September 1988 am Stratzinger Galgenberg nahe Krems gefunden. Sie stellt eine weibliche Figur mit erhobenem Arm und gedrehtem Oberkörper dar, weshalb „Fanny“ auch „Die tanzende Venus vom Galgenberg“ genannt wird. Ihren Namen erhielt sie in Anlehnung an die österreichische Tänzerin Fanny Elßler.
Im Gegensatz zur „Venus von Willendorf“ ist sie schlanker. An der Vorderseite ist sie plastisch gearbeitet, die Hinterseite blieb jedoch, abgesehen von Ritzspuren, die wohl Vorzeichnungen darstellen, unbearbeitet. Offensichtlich war sie dem Steinzeitkünstler während der Arbeit zu Bruch gegangen und er hatte sie weggeworfen.