Italienische Regionen gegen Öl-Bohrungen im Mittelmeer
Rom (APA) - Neun italienische Regionalparlamente haben einen Feldzug gegen die Pläne der Regierung in Rom zur Förderungen von Bohrungen im M...
Rom (APA) - Neun italienische Regionalparlamente haben einen Feldzug gegen die Pläne der Regierung in Rom zur Förderungen von Bohrungen im Mittelmeer auf der Suche nach neuen Ölreserven gestartet. Sie drängen auf ein Referendum zur Abschaffung von zwei Gesetzen, die Ölbohrungen auch innerhalb von 12 Seemeilen von der Küste entfernt erlauben.
Für das Referendum setzen sich unter anderem die Adria-Regionen Venetien, Marken, Apulien und Abruzzen ein. Auch Sardinien, Sizilien, Kalabrien und Basilikata sind gegen die Pläne für die Suche nach neuen Ölreserven, mit denen Italien seine Energieabhängigkeit vom Ausland reduzieren will.
Die Front der Regionen, die sich gegen die Ölbohrungen wehren, führt der Präsident der Region Venetien, Luca Zaia, an. „Die Region Venetien wehrt sich gegen die wahnsinnige Politik der Ölbohrungen, die die Regierungen in Italien und Kroatien in der Adria unterstützen“, protestierte Zaia. 107 Ölplattformen zählt man in den italienischen Adria-Gewässern, davon 50 vor der Küste der Regionen Venetien und Emilia Romagna.
Laut Schätzungen liegen allein in der Adria noch Reserven von 70 Mio. Barrel Rohöl und 900 Mrd. Kubikmetern Gas. Umweltschützer befürchten jedoch, dass wegen der Bohrarbeiten der Meeresboden absinken könnte, was zu erheblichen Schäden führen würde.
Ex-EU-Kommissionspräsident Romano Prodi erklärte kürzlich, dass die Adria ein Meer voller Öl sei, dank dessen Italien seine Ölproduktion auf 22 Millionen Tonnen pro Jahr verdoppeln könne. Die Regierung Renzi will den Regionen die Verantwortung für die Energie-und Infrastrukturpolitik ganz entziehen. Lokal-und Regionalbehörden haben zuletzt öfter Widerstand gegen große Infrastrukturpläne der Zentralregierung geleistet.
Ein Joint Venture aus den Energiekonzernen Eni und Edison, der italienischen Tochter von Electricite de France (EdF), hat kürzlich vom italienischen Staat die erste Konzession für Ölbohrungen in den Gewässern vor Sizilien erhalten. Dabei handelt es sich um eine Fläche von 145.000 Quadratkilometern, die 20 Jahre lang genutzt werden kann. Sie erstreckt sich vor der Küste der Städte Agrigent, Ragusa und Caltanissetta. Ziel des Joint Ventures, an dem Eni mit einem 60-prozentigen Anteil die Mehrheit hat, ist es, täglich bis zu 6.400 Barrel Öl zu fördern. Gegen die Bohrungen, zwölf Seemeilen vor der Küste Siziliens, wehrt sich ein Bürgermeisterkomitee, das gegen die Konzessionsvergabe bei einem Verwaltungsgericht Einspruch erhoben hat. Ein harter Streit vor Gericht droht.