Flüchtlinge: Erzdiözese Wien will Dauerquartiere in allen 660 Pfarren
Wien (APA) - Der Flüchtlingskoordinator der Erzdiözese Wien, Rainald Tippow, fordert bei der Hilfe von Flüchtlingen Engagement von allen 660...
Wien (APA) - Der Flüchtlingskoordinator der Erzdiözese Wien, Rainald Tippow, fordert bei der Hilfe von Flüchtlingen Engagement von allen 660 Pfarren in der Bundeshauptstadt. Konkret mahnte er am Dienstag vor Journalisten ein, dass jede Einrichtung zumindest ein Dauerquartier zur Verfügung stellen müsse. Bei den Notschlafplätzen gebe es derzeit allerdings mehr Angebot als Nachfrage.
In der vergangenen Nacht hätten in den Pfarren 440 Menschen übernachtet, berichtete Tippow. Die Kapazität der Erzdiözese liege im Moment hingegen bei bis zu 1.200 Notplätzen. Wie viele es in den kommenden Tagen brauchen werde, sei schwer abschätzbar: „Das liegt auch an der schlechten Informationspolitik der Nachbarländer“, sagte Tippow. Die Zusammenarbeit mit Stadt und Behörden funktioniere aber sehr gut.
Fest steht jedenfalls, dass viele dieser Notunterkünfte - oftmals in Pfarrsälen eingerichtet - für die längere Betreuung von Flüchtlingen nicht geeignet seien. „Wir unterlaufen hier eine ganze Menge von Standards. Ein WC oder eine Dusche für 50 Personen sind auf Dauer nicht möglich“, verdeutlichte der Flüchtlingskoordinator der Erzdiözese den vorrangig provisorischen Charakter der Notschlafstellen.
Umso wichtiger sei es, passende Langzeitquartiere einzurichten. Hier sieht er bei einigen Pfarren Säumigkeit. Derzeit zähle man 750 Dauerplätze, dazu seien in letzter Zeit Quartiersangebote von 120 Pfarren gekommen. Unterm Strich würden also noch viele Pfarren fehlen. „Ich gebe erst eine Ruhe, wenn wir in jeder Pfarre eine Unterkunft haben“, signalisierte Tippow Hartnäckigkeit. „Es gibt Pfarren, die in unglaublichem Ausmaß Menschen unterbringen, aber es gibt auch welche, denen man das Evangelium noch buchstabieren muss.“
Sollten kleine Pfarren tatsächlich keine Möglichkeit einer Unterbringung haben, erwarte er sich zumindest deutliches Engagement bei der Bereitstellung von Lebensmitteln und Hygieneartikeln oder bei der Abhaltung von Deutschkursen. „Es darf keine pastorale Einheit geben, die sagt: ‚Das geht uns nichts an.‘“, stellte der Kirchenvertreter klar.
Vom Plan der Bundesregierung, Asyl auf Zeit einzuführen, hält Tippow nicht viel. Die Möglichkeit, den Asylstatus nach einer gewissen Zeit nochmals zu überprüfen, gebe es jetzt schon. Dies zur Regel zu machen, würde immensen bürokratischen Aufwand bedeuten: „Es wäre mir lieber, die Anstrengungen der öffentlichen Hand gingen mehr in die Nothilfe als in die Bürokratie.“
Grundsätzlich hielt der Koordinator fest, dass die massenhaften Flüchtlingsbewegungen eine humanitäre Katastrophe sei - allerdings keine europäische. Denn mehr als 90 Prozent der rund 60 Millionen fliehenden Menschen blieben in Entwicklungs- bzw. ihren Ursprungsländern. Im Vorjahr seien weniger als ein Prozent der weltweit Vertriebenen nach Europa gekommen - ein Anteil von zwei oder drei Promille der europäischen Bevölkerung. Insofern könne kein Zweifel daran bestehen, „dass wir das schaffen“.