„Levitate“ - Schweben als politischer Widerstand im Museumsquartier
Wien (APA) - Schweben als Form des Protests - unter dieser Prämisse hat die russische Kuratorin Daria Khan im freiraum Q21 im Wiener Museums...
Wien (APA) - Schweben als Form des Protests - unter dieser Prämisse hat die russische Kuratorin Daria Khan im freiraum Q21 im Wiener Museumsquartier eine tiefgründige und zugleich - im wahrsten Sinne des Wortes - leichtfüßige Ausstellung realisiert. Im Rahmen der „viennacontemporary“ öffnet „Levitate“ seine Tore und lädt zu einer Reise zur Überwindung der Schwerkraft ein, die in politischen Widerstand mündet.
Ausgangspunkt zu dieser 14 künstlerische Positionen umfassenden Schau war eine Aktion gegen den Vietnamkrieg, als eine Gruppe von Aktivisten im Jahr 1967 versuchte, mithilfe von Gesängen das Pentagon zum Schweben zu bringen, „um so die bösen Geister auszutreiben und den Vietnamkrieg zu beenden“, so die Kuratorin Dienstagvormittag beim Presserundgang. Trotz des mangelnden Erfolgs ist die Aktion für Daria Khan ein wichtiges Symbol des Widerstands durch Levitation.
Die wohl wortwörtlichste Interpretation liefert der deutsche Künstler Christian Janowski, der für seine in Wien gezeigte Arbeit „Heavy Weight History“ nach Polen reiste. Dort engagierte er eine Gruppe von Gewichthebern, um Skulpturen an öffentlichen Plätzen Warschaus hochzustemmen. Teile der dabei entstandenen Fotoserie sind nun auf abgehängten Wänden zu sehen, die ein Pentagon nachbilden. Auf der fünften Wand, die versetzt in einer Ecke des Ausstellungsraums platziert ist, wird die Videoarbeit „Manifestul“ des rumänischen Künstlerduos Mona Vatamanu und Florin Tudor gezeigt, die im Jahr 2005 leere Blätter über Alt-Erlaa abwarfen. „Eine einfache Geste, um die Bedeutung von Widerstand zu hinterfragen“, heißt es dazu im Begleittext.
Ganz alltäglichen Widerstand leistet der kolumbianische Künstler Ivan Argote, der an verschiedenen Orten der Welt Polizeiautos mit Körperkraft zum Wackeln bringt. In den kurzen Videos ist lediglich die Bewegung des Autos, jedoch nicht der Verursacher zu sehen. So entstehen durchaus auch doppeldeutige Bilder über mögliche Vorgänge innerhalb der Polizeiwagen, so der Künstler schmunzelnd. Auf dem Vorplatz des Museumsquartiers hinterfragt Argote weiters „männliche Macht- und Herrschaftssymbole“ mithilfe eines dahinschmelzenden Obelisken, der „ehrfürchtig vor der Statue der Kaiserin Maria Theresia niedersinkt“, wie er erklärte.
Der Wachtraum, in dem man schwebt, fliegt oder fällt, hat wiederum den litauischen Künstler Julijonas Urbonas zu seiner Installation „Oneiric Hotel“ inspiriert. Gespeist aus Ergebnissen wissenschaftlicher Experimente hat er Schlafkojen konstruiert, in denen die Besucher für jeweils zwei Stunden mithilfe von klaren Anweisungen einschlafen und träumen sollen. Beginnt ihr Traum, setzen sich die Kojen via Fernsteuerung gleich einer Wiege in Bewegung. „Weightlessness“ nennt sich schließlich die Arbeit des Tschechen Kristof Kintera: Mit zwei Socken auf einem „fliegenden Teppich“ thematisiert er augenzwinkernd „Menschen, die aus ihrem gewohnten Umfeld ausbrechen, um neue Dimensionen zu erschließen“.
(S E R V I C E - Ausstellung „Levitate! - Schwebe!“ im freiraum Q21 international/Museumsquartier. 23. September bis 22. November, Dienstag bis Sonntag, 13 bis 16 Uhr und 16.30 bis 20 Uhr, Eintritt frei. Infos unter www.q21.at)