Gauck: Es gibt „den Ossi“ genauso wenig wie „den Wessi“
Berlin (APA/AFP) - Deutschlands Bundespräsident Joachim Gauck hat sich 25 Jahre nach der Deutschen Einheit klischeehafte Vorstellungen von O...
Berlin (APA/AFP) - Deutschlands Bundespräsident Joachim Gauck hat sich 25 Jahre nach der Deutschen Einheit klischeehafte Vorstellungen von Ost- und Westdeutschen kritisiert. Es gebe „‘den Ossi‘ genauso wenig wie ‚den Wessi‘“, sagte Gauck in einem am Dienstag im Voraus veröffentlichten Interview mit der Zeitschrift „Super Illu“.
Wahrscheinlich bestünden innerhalb Ostdeutschlands größere Unterschiede als zwischen West- und Ostdeutschland. Viele Ostdeutsche seien in den 25 Jahren seit der Wiedervereinigung „freie, selbstbewusste Bürger“ geworden, sagte der Bundespräsident weiter. Auf die Frage nach der geringeren Wahlbeteiligung und vermehrter rechter Gewalt im Osten sagte er zugleich, es gebe aber „nicht wenige, die unzufriedene Untertanen blieben, die mit den Möglichkeiten der Demokratie immer noch fremdeln und bis heute kein Vertrauen in die eigenen Mitwirkungsmöglichkeiten entwickelt haben“.
Gauck bedauerte: „Haltungen, die in einer von oben durchherrschten Gesellschaft wie der DDR gewachsen sind, leben leider weit länger als die Diktatur selbst.“ Er verwies zugleich darauf, dass es auch im Westen Deutschlands nach vielen Jahrzehnten Demokratie Menschen gebe, „die Fremdenfeinde sind und Flüchtlingsheime anzünden“.