Polymyalgia Rheumatica: Internationale Richtlinien für die Therapie
Graz (APA) - Schmerzen in der Schulter- oder der Beckengürtelmuskulatur sind oft der Beginn einer Polymyalgia Rheumatica (PMR). Die Therapie...
Graz (APA) - Schmerzen in der Schulter- oder der Beckengürtelmuskulatur sind oft der Beginn einer Polymyalgia Rheumatica (PMR). Die Therapieansätze des sogenannten entzündlichen Weichteilrheumas sind vielfältig, weiß Christian Dejaco von der Med-Uni Graz. Unter seiner maßgeblichen Leitung wurden internationale Therapie-Richtlinien vorgelegt. Im Fokus stehen individuelle Behandlung statt fixe Werte für alle.
Die Polymyalgia Rheumatica gehört zu den häufigsten Formen des Rheumatischen Formenkreises, schilderte Christian Dejaco von der Klinischen Abteilung für Rheumatologie und Immunologie im Gespräch mit der APA. Meist sind es über 60-Jährige, die daran erkranken, wobei Frauen etwas häufiger betroffen sind als Männer. Die Ursache des entzündlichen Weichteilrheumas ist weitgehend noch unbekannt, es wird jedoch eine Autoimmunerkrankung vermutet. Fest steht, dass sie bei den Betroffenen massive Schmerzen und Bewegungseinschränkungen verursachen kann.
„Nach dreijähriger Arbeit im Team können wir jetzt die ersten internationalen Richtlinien zur Therapie vorlegen“, betonte der Forscher der Grazer Med-Uni, der gemeinsam mit Bhaskar Dasgupta (Essex/UK) und Eric L. Matteson (Rochester/Minnesota) die Federführung im Projekt innehatte. Bis dato habe es nämlich lediglich einzelne nationale Leitlinien gegeben, wodurch die Therapieschemata in der klinischen Praxis enorm variieren konnten. Die nun vorliegenden Empfehlungen würden nun sowohl von der Europäischen Rheumatologischen Gesellschaft (EULAR) als auch der Amerikanischen Rheumaliga (ACR) mitgetragen. „Wir gehen vom Schema der fixen Dosis für alle ab und schlagen individualisierte Therapiepläne vor“, hob Dejaco hervor.
Kortikosteroide waren und bleiben die Medikamente der Wahl in der Behandlung der PMR. Ein Kernstück der neuen Leitlinien war die Frage der optimalen Anfangsdosis bei der Kortisonbehandlung: Demnach kann die Initialdosis - in Abhängigkeit von bestimmten Kriterien und Risikofaktoren - in der Bandbreite von 12,5 bis 25 mg täglich liegen, schilderte Dejaco. Danach sollte die Dosis in einem wieder individuell zu bestimmenden Zeitraum (vier bis acht Wochen) auf zehn Milligramm gesenkt werden.
Die Bedeutung des Immunsuppresivum Methotrexat wurde angehoben: Nach den neuen Richtlinien könne es - wieder individuell abhängig - auch von Beginn an und nicht erst bei Kortison-Therapieversagen gegeben werden. TNF-Alpha-Blocker werden nicht empfohlen, da es noch zu wenig Evidenz gebe.
Das internationale Forscherteam hat in den vergangenen drei Jahren sämtliche vorhandenen Publikationen zu PMR zusammengetragen und analysiert. Die Experten entwickelten danach gemeinsame Empfehlungen für die Sicherung der Diagnose, Untersuchungen vor der Therapie, die Erstellung des individuellen Therapieplans bis hin zur Verlaufskontrolle.
Die neuen Richtlinien werden von Christian Dejaco am Donnerstag, 24. September, im Rahmen der Jahrestagung der Österreichischen Gesellschaft für Innere Medizin (ÖGIM) in Österreich präsentiert.
( S E R V I C E - http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1002/art.39333/epdf)