Johannes Dürrs langer Schatten
Österreichs Skiverband wird vom Verdachtsfall Harald Wurm erschüttert, dabei ist der Dopingfall seines Langlaufkollegen Johannes Dürr (2014) noch nicht lange her. Der Wahl-Tiroler soll ein Comeback planen.
Von Florian Madl
Innsbruck –Stellungnahmen zum Verdachtsfall Harald Wurm waren gestern rar gesät. ÖSV-Langlaufchef Markus Gandler stellte gegenüber der Austria Presse Agentur klar, dass der Skiverband in dieser Causa selbstverständlich mit den zuständigen Stellen zusammenarbeite.
Gegenüber der Tageszeitung derStandard kommentierte Gandler die Situation enttäuscht: Er wisse, „dass ich mir langsam selbst etwas überlegen muss“. Der Redakteur mutmaßte, der ÖSV-Direktor würde wegen der „ständig wiederkehrenden Wickel in seiner Sparte“ an Rücktritt denken. In der TT, die bereits gestern von der Hausdurchsuchung bei Harald Wurm berichtete, wollte der Kitzbüheler auf Anfrage hingegen nichts sagen.
Das trifft auch auf Harald Wurm selbst zu, der augenblicklich an keinen Trainingskursen teilnimmt und sich am Stützpunkt vorbereitet. Gegenüber Gandler soll der Vomper versichert haben, er könne alles aufklären. Im Fall des 31-Jährigen laufen laut der Innsbrucker Staatsanwaltschaft Ermittlungen wegen eines möglichen Verstoßes gegen das Anti-Doping Bundesgesetz, für ihn gilt die Unschuldsvermutung. Das Gesetz unterscheidet in diesem Fall zwischen Besitz, Handel und Weitergabe von Dopingsubstanzen sowie verbotenen Methoden. Einzig ÖSV-Sportdirektor Hans Pum äußerte sich gestern im Rahmen einer Pressekonferenz in Linz, obwohl die Journalisten eigentlich wegen des Sommer-Skispringens in Hinzenbach (OÖ) eingetroffen waren:
Man hatte von Beginn an Kenntnis von der Hausdurchsuchung, also bereits seit 25. August. Neue Erkenntnisse hätte es seit damals keine gegeben. „Sollte sich herausstellen, dass da etwas gewesen ist, wird genauso wie in der Vergangenheit hart durchgegriffen. Es liegt in unserem Interesse, dass alles aufgeklärt wird.“ Gefunden wurde laut TT-Informationen u.a. ein Hämoglobin-Messgerät, dessen Besitz an sich laut NADA aber noch kein Vergehen im strafrechtlichen Sinn darstellen würde.
Möglicherweise wird sich der Österreichische Skiverband demnächst mit einer weiteren pikanten Causa beschäftigen müssen. Denn aus Langlauf-Kreisen war zu erfahren, dass Johannes Dürr im kommenden Jahr ein Comeback ins Auge fasst. Der Niederösterreicher war im Vorjahr bekanntlich bei den Olympischen Winterspielen in Sotschi (RUS) des EPO-Dopings überführt worden. Die Sperre des in Innsbruck wohnhaften Niederösterreichers, für dessen Verbleib beim Zoll sich sogar Bundespräsident Heinz Fischer eingesetzt haben soll, läuft bis Februar 2016. Bei den Ermittlungen habe sich der 28-jährige Dürr laut APA geständig gezeigt und Schadensgutmachung geleistet. Im Juli wurde die Akte geschlossen, im für aktive Sportler verpflichtenden Testpool der Nationalen Antidoping-Agentur (NADA) scheint der Familienvater nach wie vor auf. Bei gesperrten Sportlern sei das üblich, bestätigte NADA-Sprecher David Müller. Allerdings: „Wenn ein Sportler seine Karriere offiziell beendet, scheidet er automatisch aus dem Pool aus.“ Dürr tat das nie.
Langlauf-Cheftrainer Gerald Heigl, der Dürr ebenso trainierte wie zuletzt Harald Wurm, weiß indes von nichts: „Ich habe keinen Kontakt mehr zu Dürr.“ Aus dem ÖSV war er jedenfalls nach seinem Dopingfall ausgeschlossen worden.