Tod in den Rocky Mountains: Amerikaner nach Sturz der Frau verurteilt
Denver (Colorado) (APA/dpa) - Bizarre Unfälle in abgelegenen Gegenden haben zum Tod zweier Ehefrauen eines Amerikaners geführt. Beide Male w...
Denver (Colorado) (APA/dpa) - Bizarre Unfälle in abgelegenen Gegenden haben zum Tod zweier Ehefrauen eines Amerikaners geführt. Beide Male waren enorme Versicherungssummen im Spiel. Nun wurde der 59-jährige Witwer wegen Mordes verurteilt. Die US-Ermittler wollen jetzt auch alte Akten des ersten Falls wieder öffnen.
Alles klang nach einem perfekten Ausflug zur Feier des zwölften Hochzeitstags. Für den Abend hatte der Ehemann einen Tisch für ein elegantes Dinner reserviert, wie aus Gerichtsdokumenten hervorgeht. Vorher wollten er und seine Frau wandern gehen. Hirsche, Rehe und Elche werden entlang des Deer Mountain Trail im US-Bundesstaat Colorado häufig gesichtet, den Ausblick in die saftige Natur beschreiben Wanderer im Internet als einzigartig. Doch an jenem Tag im Herbst 2012 sollte das spektakuläre Bergpanorama der Rocky Mountains zur Kulisse eines abgebrühten Mordes werden. So ergab es jetzt das Urteil.
Die Geschichte, die der heute 59-Jährige Freunden und auch dem Gericht während des Prozesses in Denver auftischte, passte vorn und hinten nicht. Es begann damit, dass er im Sommer vor der Tat und zwei Wochen zuvor insgesamt 15 Wanderungen unternahm, um eine ideale Absturzstelle auszukundschaften, wie Akten des Gerichts zeigen. Der Mann entschied sich für den bis auf 3.000 Meter Höhe führenden, knapp zehn Kilometer langen Wanderweg. Doch die Wahl schien seltsam für eine 50-Jährige, die Gerichtsdokumenten zufolge nach zwei Knie-Operationen selten mehr körperliche Strapazen hinnahm als einen kurzen Spaziergang.
Nach einer Verschnaufpause, einem Picknick abseits des Pfades und einem Erinnerungsfoto war die Frau tot. 40 Meter war sie in die Tiefe gestürzt - genau von der Stelle, die der Ehemann auf einer in seinem Auto liegenden Landkarte mit einem pinken „X“ markiert hatte. Nur zwei Tage später beantragte er die teilweise Auszahlung der insgesamt 4,7 Millionen Dollar (mehr als 4,1 Millionen Euro) Lebensversicherungspolicen der Augenärztin. In Berichten gegenüber Freunden und Ermittlern über den angeblichen Unfall verstrickte er sich in tiefe Widersprüche.
„Tschüss, Harold!“, riefen Angehörige und Freunde der Toten im Jubel, als im Gerichtssaal am Montag die Handschellen klickten, wie die „Denver Post“ berichtete. Nach der Verurteilung wegen Mordes droht ihm nun lebenslange Haft ohne Bewährung. Der Angeklagte nahm den Richterspruch mit einem Kopfschütteln hin und will die Entscheidung seinem Anwalt zufolge anfechten.
Doch bevor es soweit kommt, könnte ihn auch der Tod seiner ersten Ehefrau einholen. Verblüffende Parallelen beider Fälle lassen die düstere Vermutung zu, dass der Witwer im Mai 1995 auch diese umbrachte. Die lange verschlossenen Akten sollen nach der Verurteilung nun Berichten zufolge wieder geöffnet werden.
Ein angeblich zu schwach aufgepumpter Autoreifen hatte den Mann in jener Nacht dazu veranlasst, vom Highway 67 abzufahren und den Reifen zu wechseln. Genau in dem Moment, als seine Frau unter den Jeep kroch, um eine Radmutter hervorzuholen, wuchtete ihr Mann den abmontierten Reifen in den Kofferraum. Das Auto rutschte von den Wagenhebern und quetschte die Frau ein - so jedenfalls die Erklärung des Mannes bei den Ermittlern. Die Frau starb tags darauf im Krankenhaus.
Doch warum lehnte er ab, als ein Fahrer anhielt und ihm Hilfe bei der Behebung der mutmaßlichen Panne anbot? Warum erzählte er später, dass er die Radmuttern fallen gelassen hatte, und seine Frau sie wegen seiner Rückenprobleme aufhob, wenn er der Polizei doch gesagt hatte, dass sie auf seinen Rat hin einen Sicherheitsabstand von zwei Metern eingehalten hatte? Später klangen die Geschichten rund um ihren Tod immer absurder: Einmal war die fallende Heckklappe schuld, dann die die Lunge der Frau durchbohrende Radmutter, dann der Druckverlust im Rettungshubschrauber, dann ein frontaler Autounfall. Einmal erzählte er gar, sie sei an Krebs gestorben und habe dabei ein Baby verloren.
Fast 500.000 Dollar strich der Witwer damals an Versicherungspolicen ein. Wie beim Tod seiner zweiten Frau schien es ein bizarrer Unfall in einer abgelegenen Gegend zu sein. Beide Male war der Ehemann der einzige Zeuge. In beiden Fällen ließ er die Verstorbene entgegen dem Willen ihrer jeweiligen Familie schnell einäschern und verstreute die Asche auf einem Berg. Und: Mit beiden Frauen war er rund zwölf Jahre verheiratet.