Der Pensionist als guter Geist und Feminist
Robert De Niro spielt in Nancy Meyers’ „Man lernt nie aus“ einen 70-jährigen Rentner, der als Praktikant einen Neustart wagt.
Innsbruck –Die Filmkomödien der Drehbuchautorin und Regisseurin Nancy Meyers sahen schon immer wie Auftragsarbeiten für verschiedene US-Ministerien aus. Mit „Schütze Benjamin“ half sie 1980 Vorurteile gegen Frauen in der Armee abzubauen, ohne am Image der Streitkräfte zu kratzen. Mit „Baby-Boom“ unterstützte sie den Trend, Frauen in Vorstandsetagen zu etablieren. In „Was Frauen wollen“ suchte sie den empfindsamen Mann, der sich mit sozialen Veränderungen in der Werbebranche arrangieren konnte. In „Was das Herz begehrt“ begleitete sie einen Musikproduzenten, der für sich herausfinden musste, wann das Stadium der Lächerlichkeit beim Studium zu junger Frauen erreicht ist. Diesen Produzenten spielte Jack Nicholson, der in einer Szene – vollgestopft mit Viagra – ein Juwel seiner Karriere ablieferte. Für Nicholson schrieb Meyers auch ihre neue Komödie „Man lernt nie aus“ (im Original „Intern“), doch der wählerische Altstar winkte ab und wurde durch Robert De Niro ersetzt, was auch keine schlechte Wahl ist, zumal beide über die Gabe verfügen, auf besondere Weise mit ihren Rollen zu verschmelzen, sodass die jeweiligen Figuren hinter ihrem Charisma verschwinden.
Als Ben Whittaker plagt De Niro die Langeweile. Nach 40 Jahren als Manager einer Druckerei und dem Tod seiner Frau bindet sich der umtriebige aber doch einsame Rentner jeden Morgen die Krawatte, steckt sich ein Stofftaschentuch in das Sakko und schnappt sich den Aktenkoffer, um mit den anderen Beschäftigten auf dem Weg ins Büro einen Kaffee zu trinken. Mangels Arbeit kann er seinen Blick schweifen lassen und dabei entdeckt er die Anzeige für ein staatlich gefördertes Seniorenpraktikum in einem sogenannten Start-up-Unternehmen, das über das Internet Textilien verkauft. De Niro wird der Firmengründerin Jules Ostin (Anne Hathaway) zugeteilt, die dem noch in der analogen Welt lebenden Praktikanten mit Skepsis begegnet. Mit Ablehnung umzugehen und diese mittels Mimik umzudrehen, gehört zu den leichtesten Übungen in De Niros Spiel, weshalb der Betrieb mit seinen 220 Angestellten bald den Regeln der Komödie und damit der Lebenserfahrung des Praktikanten folgt. Die Uniabsolventen, die sich als Pioniere der New Economy das Hemd nicht mehr in die Hose stecken, sehen plötzlich die Vorzüge einer Krawatte und den tieferen Sinn eines Stofftaschentuchs. Jeder begegnet irgendwann einer den Tränen nahen Frau und in einem solchen Moment, so Whittakers Erfahrung, ist ein Tuch eine Hilfe. Die benötigt Jules, deren Ehemann mit dem Zeit- und Businessplan der Managerin nicht fertig wird und deshalb nach außerehelichem Trost sucht. Auch in diesem Konflikt erweist sich der Rentner als guter Geist des Unternehmens und als radikaler Feminist, der den mitunter schmerzvollen Weg einer Selbstverwirklichung propagiert. Ganz nebenbei platziert Nancy Meyers noch eine Botschaft des Gesundheitsministeriums. „Sitzen ist das neue Rauchen“, sagt die von Rene Russo gespielte Betriebsmasseurin, die vielleicht Whittakers Lebensabend verschönern wird, denn sein Praktikum hat nichts mit Altersarmut zu tun. (p.a.)