UNO-Generalversammlung - Hilfswerke hoffen auf neue Entwicklungsziele
New York/Wien (APA) - Hohe Erwartungen stellen die kirchlichen Hilfswerke an die neuen nachhaltigen Entwicklungsziele der Vereinten Nationen...
New York/Wien (APA) - Hohe Erwartungen stellen die kirchlichen Hilfswerke an die neuen nachhaltigen Entwicklungsziele der Vereinten Nationen, die Sustainable Development Goals (SDGs). „Die Richtung stimmt, an der Umsetzung wird es sich entscheiden“, erklärte Heinz Hödl, Präsident des Weltdachverbandes Katholischer Hilfswerke (CIDSE), im Interview mit der katholischen Presseagentur „Kathpress“.
Viel deutlicher als zuvor sei auch Österreich in den neuen Zielen zum Handeln aufgefordert und stehe in dieser Perspektive nun selbst als „Entwicklungsland“ da, so Hödl, der auch Geschäftsführer der Koordinierungsstelle der Bischofskonferenz für Entwicklung und Mission (KOO) ist.
Die SDGs, die aus 17 Kernzielen und 169 Unterzielen bestehen und die heuer auslaufenden „Millennium-Entwicklungsziele“ aus dem Jahr 2000 ersetzen, fordern u.a. die Beendigung von extremer Armut und Hunger oder die Gleichberechtigung, kombiniert mit nachhaltiger Wirtschaft und Stärkung der Kleinbauern. „Die Vision dahinter - die der integrierten Entwicklung - kann man nur unterschreiben“, beurteilte Hödl. Die Ziele sollen beim UN-Gipfel vom 25. bis 27. September in New York verabschiedet werden. Papst Franziskus hält eine Rede vor der Generalversammlung.
Innovativ sei, dass die Ziele nun arme Länder und Industrienationen gleichermaßen adressieren. „Auch Österreich ist angesprochen“, verwies Hödl auf die hierzulande bisher verfehlten Klimaziele sowie auf den Aufholbedarf bei der Energieversorgung, beim Ressourcenverbrauch oder bei den konkreten Umsetzungsplänen im Zusammenspiel mit EZA-Partnerländern. Selbst bei den heimischen „Stärken“ wie etwa der Wasserwirtschaft sei es angebracht, die Vorbildwirkung auf andere Länder zu verbessern und „in anderen Ländern noch mehr zu tun“.
Durchaus könnten die hohen Ziele bis 2030 erreicht werden, so der EZA-Kirchenexperte. „Die Welt hat dafür genug Knowhow und Kapazitäten, wenn sie nur zusammensteht und die Aufgaben klug angeht. Woran sich alles entscheidet, ist der politische Wille.“
Genau hier sieht der CIDSE-Präsident allerdings den „Haken“ der SDGs - an ihren nur vagen Aussagen zu Verbindlichkeit und Umsetzung. Besonderer Schwachpunkt sei die Entwicklungsfinanzierung, die bereits bei den Millenniumszielen nicht funktioniert habe. „Wir sind weiter denn je vom 0,7-Prozent-Ziel entfernt“, beklagte Hödl. Im Falle Österreichs - derzeit hält die Alpenrepublik bei 0,26 Prozent des Bruttonationaleinkommens, Tendenz fallend - müsse man hier sogar von einem „eklatanten, permanenten Schwächeanfall“ sprechen sowie von großer Kurzsichtigkeit: Viel zu wenig würde die Politik an den ursächlichen Problemen hinter der aktuellen Flüchtlingskrise ansetzen und zu Frieden und nachhaltiger Entwicklung in Krisenregionen beitragen.
Es fehlten bei den neuen Zielen weiters Schritte für weltweite Regeln gegen Steuerflucht. „Ein Vielfaches der Gelder für Entwicklungszusammenarbeit verlasst die Zielländer durch Steuerflucht, Steuerminimierung von Unternehmen, Korruption und andere illegale Praktiken. Beträchtliche Ressourcen gehen somit an die gewinnorientierte Wirtschaft statt in die Entwicklung.“ Kritisch sah der Experte zudem auch das Festhalten der Ziele am dauerhaften Wirtschaftswachstum. „BIP-Vergrößerung bedeutet noch lange nicht gerechte Verteilung des Wohlstandes, weniger Hunger oder Friede. Etwa in Angola profitieren nur zwei Prozent der Menschen vom Boom aufgrund des Rohstoff-Abbaus.“
Es sei unrealistisch, dass die New Yorker UNO-Versammlung hier noch Änderungen zustande bringe. Die kirchlichen Hilfswerke wollten deshalb Druck machen - zumindest für eine Festschreibung der Ziele in den nationalen Budgets, für konkrete Pläne zur Umsetzung sowie auch für deren Transparenz und Kontrolle.
~ WEB http://www.un.org/en/ga/ ~ APA039 2015-09-23/08:01