Reise nach Lienz auf den Spuren der Urgroßväter
25 Studenten und Dozenten aus Südrussland besichtigten Schauplätze der Kosakentragödie. Auch Urenkel von damals Betroffenen waren vor Ort.
Von Claudia Funder
Lienz –Seit einiger Zeit besteht eine wissenschaftliche Kooperation zwischen Innsbruck und Krasnodar im Kubangebiet/Südrussland. Sommerschulen, die an beiden Uni-Standorten interdisziplinär organisiert werden, sind Ausdruck der Zusammenarbeit. Im Herbst waren Tiroler im Kubangebiet zu Gast, nun kam es zum Gegenbesuch.
Und dieser führte die 25 Studenten und Dozenten aus Krasnodar auch nach Osttirol, wo sie sich einen Tag lang auf die Spuren der Kosakentragödie begaben. „Es sind auch einige dabei, deren Urgroßväter in Lienz waren“, so Harald Stadler, Leiter des Instituts für Archäologien sowie der Exkursion, zu ganz persönlichen Bezügen zu diesem Thema. „Für manche war es die erste Reise nach Europa.“
Auf dem Programm stand vormittags der Besuch der Kirche und von Kosakengräbern in Lavant, wo die junge Truppe von BM Oswald Kuenz großzügig willkommen geheißen wurde. Der Weg führte weiter nach Lienz an den Ort der Tragödie an der Drau, wo der Kosakenfriedhof und die Kapelle besichtigt wurden. Das letzte Ziel waren die Kirche in Amlach und die Erinnerungstafeln an die Osttiroler Kriegstoten in Russland, die zum Teil auch im Kubangebiet gefallen waren. Auch in Amlach wurde den Gästen ein herzlicher Empfang durch BM Franz Idl bereitet.
Tief tauchten die jungen Russen vor Ort in die Vergangenheit ein. Viele neue Informationen und Eindrücke nahmen sie mit nach Hause. Und sie trafen auf den Zeitzeugen Michael Rainer, der als damals Fünfjähriger die Kosakentragödie überlebt hatte.
Wie hier Erinnerungskultur betrieben und das Thema aufgearbeitet wird, interessierte die Studenten nicht nur, sondern beeindruckte. „Es ist eine neue Generation. Durch den Austausch entsteht Gemeinsames“, schaut Stadler, der die Erweiterung bisheriger Strukturen um ein Museum und ein Forschungszentrum anpeilt, in die Zukunft.
Ein Bild von der Kosakenkapelle machte sich auch LR Beate Palfrader bei ihrem Osttirol-Besuch. Namhafte Mittel des Landes waren in den Bau geflossen, der von Hermann Hotter, Geschäftsführer des Schwarzen Kreuzes Tirol, intensiv vorangetrieben worden war. „Das Ergebnis lässt sich sehen, ich bin beeindruckt“, erklärte Palfrader vor Ort. „Es ist wichtig, dass hier ein Mahnmal errichtet wurde, das über die Grenzen hinaus wirkt.“ Und sie fand lobende Worte: „Das Schwarze Kreuz gibt Namenlosen würdige Orte der Erinnerung.“
Hotter betonte, dass „Kosaken weltweit mitgeholfen haben, die Kapelle zu realisieren. Der Bau ist noch nicht fertig, es fehlen noch Ikonen und ein Luster.“ In Folge könnte auch noch ein orthodoxer Glockenturm entstehen.
Die Kosakenkapelle ist in der kurzen Zeit ihres Bestehens – sie wurde Anfang Juni eingeweiht – längst zum Besuchermagnet geworden.