Medien

Gutes Zeugnis für TT, Kritik am Boulevard

Symbolbild.
© Andreas Rottensteiner / TT

Die Akademie der Wissenschaften hat die Qualität der österreichischen Medien unter die Lupe genommen – und kommt zu einem positiven Befund.

Wien –„Der österreichische Journalismus sieht sich generell der Qualitätsnorm verpflichtet“, sagte Josef Seethaler vom Institut für Medien- und Kommunikationsforschung der Akademie bei der Präsentation der Studie „Qualität des tagesaktuellen Informationsangebots in den österreichischen Medien“.

Die Kommunikationsforscher untersuchten im Auftrag der Rundfunk und Telekom Regulierungs-GmbH das tagesaktuelle Informationsangebot in 36 österreichischen Medien aus den Gattungen Presse, Fernsehen, Radio und Online. Insgesamt wurden über 25.000 Beiträge an 24 zufällig ausgewählten Tagen des Jahres 2014 analysiert. Journalistische Qualität wurde von den Forschern über die Merkmale Transparenz, Vielfalt, Relevanz, Professionalität definiert. Untersucht wurden aber auch Objektivität und Diskurspotenzial der Beiträge.

Fazit: Der Anteil der „Hard News“ ist in Österreichs Medien relativ hoch, die Quellentransparenz ist gut, Defizite gibt es bei der Vielfalt der Positionen (zitierte Personen) und bei der Berücksichtigung weiblicher Akteure in der Berichterstattung, gut schneiden Österreichs Medien bei der Objektivität ihrer Inhalte ab. In Print betrug der Anteil der „Hard News“ 77, im Radio 72, im Fernsehen 71 und in Online 64 Prozent. Je höher der Anteil der „Hard News“ in den Medien, desto weniger zählen Frauen zu den zentralen Akteuren eines Beitrags.

Die Tiroler Tageszeitung liegt in der breit angelegten Untersuchung stets im absoluten Spitzen- bzw. Vorderfeld. Bei der Urheber-Transparenz neben der Print- und Onlineausgabe des Standard an der Spitze, liegt die TT auch beispielsweise ganz vorne bei der Anzahl der Informationsquellen pro Bericht, der Meinungsvielfalt und dem Anteil an objektiven „Hard News“.

Defizite ortet Kommunikationswissenschafter See­thaler hingegen im Segment der Boulevard-Titel. „Bedauerlicherweise sind die Boulevardmedien bei fast allen Qualitätsindikatoren im unteren Drittel bis Viertel anzusiedeln, sodass hier ein Nachhol- und Nachdenkbedarf besteht.“ Namentlich nennt die Studie konkret Heute, die Kronen Zeitung, Österreich und oe24.at. Hier könne von einem „Qualitätsdefizit gesprochen werden, das durch die in den letzten Jahren erstarkende Marktposition der Gratiszeitungen verstärkt worden ist“. (va, APA)