Modi in den USA: Was will er schon wieder dort?
Neu-Delhi/Washington (APA/dpa) - Zwischen US-Präsident Barack Obama und Indiens Premier Narendra Modi besteht ein heißer Draht. Und zwar fas...
Neu-Delhi/Washington (APA/dpa) - Zwischen US-Präsident Barack Obama und Indiens Premier Narendra Modi besteht ein heißer Draht. Und zwar fast wörtlich: Seit ein paar Wochen gibt es eine ständige Telefonverbindung zwischen Washington und Neu Delhi. Diese „Roten Telefone“ pflegen die USA sonst nur mit Russland, Großbritannien und China. Trotzdem fliegt Modi am Donnerstag persönlich in die Vereinigten Staaten.
Sechs Gründe, die ihn zu der langen Reise bewogen haben könnten:
1) Das gute Verhältnis zu Obama
Modi sagte „Barack“ statt „Mr. Obama“, als dieser im Jänner zum Tag der Republik nach Indien kam. Der US-Präsident nannte Modi einen „Partner und Freund“. Später schrieb Obama im Magazin „Time“ sogar eine Lobeshymne auf den Inder, der in die Liste der 100 einflussreichsten Menschen gewählt wurde. Als Modi vor einem Jahr schon einmal in den USA war, wurde er gleich zweimal im Weißen Haus empfangen - diese Ehre wird nur ganz wenigen Gästen zuteil.
2) Indien will Investitionen
Der reisefreudige Modi wird nicht müde, überall auf dem Globus für den Standort Indien zu werben. Er will sein Land zur Werkbank der Welt machen - da in China die Löhne rasant steigen, könnten internationale Unternehmen nach Indien wandern, so das Kalkül. Diese „Make in India“-Kampagne wird mit allen PR-Mitteln vorangetrieben.
3) Auslands-Inder sollen ihrer Heimat helfen
Beim Erstarken Indiens sollen auch die Auslands-Inder mitmachen. Modi trifft sie bei jeder sich bietenden Gelegenheit, diesmal in San Jose an der US-Westküste. 18.500 Menschen werden erwartet, 45.000 wollten Tickets. Darunter werden Vertreter der zunehmenden Zahl an US-Politikern mit indischen Wurzeln sein - Bobby Jindal etwa kandidiert jetzt fürs Weiße Haus -, aber auch viele Unternehmer und Gutverdiener. Indische Immigranten verdienen deutlich mehr als der Durchschnittsamerikaner. Viel von diesem Geld wird nach Indien geschickt; knapp elf Milliarden Euro waren es laut dem Pew Research Center 2012.
4) Modi liebt neue Technologien
Besonders enthusiastisch kündigte Modi seinen Besuch im Silicon Valley an. Dort wird er Facebook-Gründer Mark Zuckerberg sowie Vertreter von Apple und Google treffen. Zusammen mit Zuckerberg wird Modi Fragen der Bevölkerung beantworten - die über die „Narendra Modi App“ eingereicht werden können. Modi macht sich moderne Technologien wo möglich zunutze, hat ein Instagram-Profil und twittert. Mit seinen zwei Accounts hat Modi 23 Millionen Follower. Nur Obama hat unter den Regierungschefs der Welt mehr.
5) Xi Jinping ist auch da
Chinas Präsident Xi Jinping bereist zur gleichen Zeit die USA. Auch er wird Technologie-Größen wie Apple-Chef Tim Cook und Microsoft-Gründer Bill Gates treffen. Indien sähe sich gerne auf Augenhöhe mit dem Nachbarn - dabei ist Chinas Bruttoinlandsprodukt mehr als dreimal so groß, fast die Hälfte der Bevölkerung nutzt das Internet, während es in Indien nur 18 Prozent sind. Aber Modi weiß genau: Die USA brauchen ihn als geostrategische Gegenmacht zu China.
6) Weil er‘s kann
Im Jahr 2005 wurde Modi, damals Regierungschef des Bundesstaats Gujarat, ein Visum für die USA verweigert. Der Grund: Unter Modis Regierung bekämpften sich 2002 wochenlang Hindus und Muslime; bei den blutigen Unruhen starben mindestens 1.000 Menschen. Nun lässt sich Modi bei seinen Besuchen in den USA wie ein Rockstar feiern. Im Madison Square Garden rief er im vergangenen Jahr seinen Fans in Star-Wars-Manier zu: „Möge die Macht mit Euch sein!“