Start für ZDF-Thrillerserie „Blochin - Die Lebenden und die Toten“
Berlin (APA/dpa) - Im deutschen Fernsehen wimmelt es von Krimis - doch eine Produktion ragt nun heraus: „Blochin - Die Lebenden und die Tote...
Berlin (APA/dpa) - Im deutschen Fernsehen wimmelt es von Krimis - doch eine Produktion ragt nun heraus: „Blochin - Die Lebenden und die Toten“ ist eine fünfteilige Mini-Serie und startet am Freitag (20.15 Uhr) im ZDF in Spielfilmlänge. Die weiteren Folgen werden kompakt am Samstag (20.15 Uhr) in drei Stunden Länge und Sonntag (22.00 Uhr) in weiteren 90 Minuten gezeigt.
Auch im Internet ist das ZDF damit sehr präsent: Auf http://blochin.zdf.de erfährt das Publikum mehr über die Figuren und ihre persönlichen Motive; zudem ist die komplette Staffel schon nach Ausstrahlung der ersten Folge in der ZDF-Mediathek verfügbar. Mit diesem sogenannten „Binge Watching“ (Schauen mehrerer Folgen an einem Stück) geht das ZDF auf die sich ändernden Sehgewohnheiten vor allem der jungen Zuschauer ein. Die ARD zieht nach und zeigt die dritte Staffel von „Weissensee“ ab 29. September auch in kompakterer Form.
Die „Blochin“-Handlung ist ziemlich komplex, und an Figuren ist kein Mangel. Zwei Polizisten stehen im Mittelpunkt, sie arbeiten bei der Mordkommission 7 in Berlin. Der eine hat keinen Vornamen, er heißt einfach Blochin (Jürgen Vogel) und war schon einmal für tot erklärt worden. Der andere heißt Dominik Stötzner (Thomas Heinze) und ist Blochins Schwager, denn seine Schwester Inka (Maja Schöne) ist mit Blochin verheiratet und hat mit ihm eine Tochter.
Blochin war früher selbst mal in dunkle Kreise geraten und muss nun wegen eines Mords gegen seine alten Freunde aus der Ostberliner Club- und Drogenszene ermitteln, was ihn bis in die höheren Ebenen der Berliner Politik führt. Dabei bekommt er es mit der ehrgeizigen Staatssekretärin Katrin Steinbrenner (Jördis Triebel) zu tun, mit der Dominik eine heimliche Affäre hat - und mit dem charmanten, aber aalglatten Politiker Lukasz (Philipp Hochmair) sowie dem windigen Rechtsanwalt Nogly (Samuel Finzi). Ein harter Kampf beginnt, für beide Cops.
„Ich finde es einfach großartig, dass die Figuren im Film eben nicht so klar und eindeutig in gut und böse einzuteilen sind“, sagt Heinze (51, „Der Minister“) über seine Rolle im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. Dominik bestimme durchaus selbst, was für ihn schwarz und was weiß sei. Zu Schwester und Nichte habe er ein ganz inniges Verhältnis, und Inka ersetze fast schon die Frau an seiner Seite. Seiner Geliebten, Katrin, könne er nicht zu nahe kommen, weil sie ja bereits verheiratet sei. Der Mann ist wahrlich kein Beziehungsmensch, und als Vaterfigur sieht er sich auch nicht. Dafür kann er die nötige Kontinuität gar nicht aufbringen. Zu seinem Schwager hat er ein eher kritisches Verhältnis, sieht aber, dass er Inka gut tut und dass er sie liebt. „Dominik überschreitet eindeutig die Grenze unserer moralischen Vorstellungen, aber aus einem für ihn zwingenden Grund“, sagte Heinze. „Und am Ende wird es ziemlich eng für ihn.“
Keine Frage: Die Schauspieler tragen den Film, vor allem Thomas Heinze und Jürgen Vogel dürfen ungeahnte Seiten zeigen. Regisseur und Autor Mathias Glasner (50) gründete vor fast 20 Jahren mit Jürgen Vogel (47) eine eigene Produktionsfirma, und so verwirklichten die beiden Hamburger gemeinsame Projekte wie „Der freie Wille“ oder die ZDF-Serie „KDD“. Und zweifellos ist „Blochin“ eine echte Ausnahme, sehr modern inszeniert und hervorragend platziert: Drei Abende hintereinander zur Primetime gelten in Deutschland noch immer als ungewöhnlich. Die ARD hatte im Oktober 2010 die zehnteilige Serie „Im Angesicht des Verbrechens“ zu einem sehr unglücklichen Sendetermin (jeweils freitags um 21.45 Uhr) ausgestrahlt, wo sie von den Zuschauern (trotz hervorragender Kritiken) offenbar nicht gefunden und daher nicht angenommen wurde.
Ein ähnliches Schicksal wird „Blochin“ wohl erspart bleiben, denn eine zweite Staffel ist bereits in Planung. Doch die Schwächen des horizontal erzählten Formats seien hier auch klar benannt: Zu viele Figuren, zu viele Verwicklungen, zu viele Ablenkungen vom Kern des Geschehens durch banale Nebenhandlungen - und obendrein auch noch verwirrende Rückblenden. Der Zuschauer ist stark gefordert, gemütliches Zurücklehnen im Sessel ist hier nicht angesagt.
Aber wer trotzdem dranbleibt, der bekommt ein klassisches Drama um Schuld und Sühne, zwischen Polizei und Politik zu sehen, das ständig sämtliche Grenzen auflöst: die der Handlung, der Figurenkonstellation und des Genres, denn der Film ist Krimi, Politthriller und Familienstory in einem. Das ist ein bisschen viel, aber ein starkes Stück - auch und gerade angesichts der allmählichen Entblätterung der einzelnen Figuren: Keiner ist hier nur das, was er vorgibt zu sein. Die beiden Polizisten sind es erst recht nicht - und am Ende müssen sie beide einen sehr hohen Preis dafür bezahlen.
(S E R V I C E - http://go.apa.at/vBP5Hq)