Umwelthilfe wirft Regierung Mängel bei Kontrolle von Abgaswerten vor
Köln/Berlin (APA/AFP) - Der Geschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe, Jürgen Resch, hat der Berliner Regierung massive Nachlässigkeiten bei...
Köln/Berlin (APA/AFP) - Der Geschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe, Jürgen Resch, hat der Berliner Regierung massive Nachlässigkeiten bei der Kontrolle von Abgaswerten vorgeworfen. Über Jahre hinweg habe die Regierung „kein einziges Mal die Angaben der Automobilindustrie kontrolliert“, sagte Resch Mittwoch früh im Deutschlandfunk.
Lediglich die Unterlagen der Hersteller seien auf Plausibilität geprüft worden, Messungen habe es nicht gegeben. Die deutsche Regierung wisse zudem „seit vielen Jahren“, dass die Angaben der Hersteller zu den Emissionswerten deutlich von dem abwichen, was die Fahrzeuge tatsächlich in die Luft bliesen. Das Problem betrifft in Deutschland laut Resch nicht nur VW; „einige andere Hersteller“ würden „das Gleiche tun“. Die Deutsche Umwelthilfe oder auch das Umweltbundesamt hätten die Regierung „fortwährend“ auf die Diskrepanzen aufmerksam gemacht.
Auch die Grünen im Bundestag warfen der Regierung vor, mindestens seit Juli dieses Jahres von Abweichungen gewusst zu haben. Dies gehe aus einer Anfrage der Partei an das Bundesverkehrsministerium hervor, erklärte die Bundestagsfraktion. In der AFP vorliegenden Antwort der Berliner Regierung heißt es, sie teile „die Auffassung der Europäischen Kommission, dass das Konzept zur Verhinderung von Abschalteinrichtungen sich in der Praxis bisher nicht umfänglich bewährt hat“. Eine Abschalteinrichtung zur Kontrolle von Schadstoffausstößen steht im Mittelpunkt der Affäre um Volkswagen.
Das deutsche Verkehrsministerium wies die Vorwürfe zurück. Ihm lägen „keinerlei Erkenntnisse über den Einsatz von Abschalteinrichtungen vor. Andere geäußerte Vermutungen sind falsch“, teilte das Ministerium am Dienstagabend mit.
Volkswagen hat zugegeben, die Abgaswerte von Fahrzeugen in den USA manipuliert zu haben. Mittels einer Software wurde der Schadstoffausstoß nur bei offiziellen Tests vollständig kontrolliert, nicht aber beim normalen Betrieb der Autos. Die Dieselfahrzeuge stießen folglich im regulären Straßenverkehr mehr Stickoxide aus als erlaubt. Stickoxide werden als gesundheitsschädlich eingestuft und können zu Atemwegserkrankungen führen. Am Dienstag hatte VW bekanntgegeben, dass die Software in weltweit rund elf Millionen Fahrzeugen steckt.
~ ISIN DE0007664039 WEB http://www.volkswagenag.com ~ APA195 2015-09-23/11:33