HSV dank ÖFB-Legionär Gregoritsch weiter im Aufschwung
„Der Tabellenplatz ist unwichtig, aber die zehn Punkte sind geil!“, erklärte Hamburg-Coach Bruno Labbadia nach dem Last-Minute-Sieg über Ingolstadt.
Ingolstadt – Die Frage nach neuen Saisonzielen in der deutschen Fußball-Bundesliga für seinen Hamburger SV hat Bruno Labbadia nach dem 1:0-Sieg in Ingolstadt schlagfertig gekontert. „Das wäre das alte Muster vom HSV“, stellte der Trainer keck lächelnd mit Blick auf die traditionellen Europacup-Ansprüche der stolzen Hanseaten fest. Doch Labbadia vermied eine Kurskorrektur nach oben, blieb lieber zurückhaltend.
„Der Tabellenplatz ist unwichtig, aber die zehn Punkte sind geil!“, betonte der Coach nach dem schmeichelhaften Erfolg beim vom Steirer Ralph Hasenhüttl betreuten Aufsteiger in Oberbayern. Die fußballerische Vorstellung der Gäste hätte auch kaum als Rechtfertigung für offensivere Aussagen getaugt. Der dritte Saisonerfolg, herausgeschossen durch einen abgefälschten Freistoßtreffer von Joker Michael Gregoritsch in der 87. Minute, ließ sich nicht zuletzt auf großes Glück zurückführen.
„Wir nehmen alles mit“
„Aber dieses Glück haben wir uns auch hart erarbeitet und ist letztlich ein Verdienst der gesamten Mannschaft“, bilanzierte Gregoritsch nach seinem Bundesliga-Tor. Der 21-jährige Steirer hält ebenfalls nichts von neuen Zielen. „Wir nehmen alles mit, was kommt, ohne zu sagen: Wir wollen jetzt in den Europacup. Das wäre blöd, nicht realistisch“, urteilte der Stürmer.
Immerhin die Statistik spricht dafür, dass nach zwei sportlich katastrophalen Saisonen tatsächlich wieder etwas Stabilität eingekehrt ist. Seit drei Spielen sind die Norddeutschen inzwischen ohne Gegentreffer - das gelang zuletzt im Frühjahr 2007. Seit Labbadia da ist, ging zudem keines von sechs Heimspielen verloren. Die nach der 0:5-Pleite bei Bayern München zum Saisonauftakt wiedergewonnene Souveränität in der Defensive ist momentan der wichtigste Erfolgsfaktor. „Wenn man kein Tor kriegt, dann verliert man nicht“, stellte Verteidiger Emir Spahic trocken fest.
Torsperre von Özcan gebrochen
In der Offensive hapert es allerdings immer noch. Torjäger Pierre-Michel Lasogga fehlt die alte Form, am Dienstag vergab er leichtfertig eine hundertprozentige Chance. Aus dem Mittelfeld kommen trotz Neuzugang Aaron Hunt weiterhin zu wenig Akzente im Spiel nach vorne. Dafür ist Gregoritsch, der erst im Sommer vom VfL Bochum verpflichtet worden ist, ein echter Gewinn. Die ausgefeilte Schusstechnik des ÖFB-U21-Teamspielers und etwas Glück sicherte dem HSV die drei Punkte und beendete die Torsperre von Ingolstadt-Schlussmann Ramazan Özcan, der 446 Minuten ohne Gegentreffer geblieben war.
„Manche Spieler laufen nach dem Training noch ein paar Sprints, andere gehen in den Kraftraum und ich schieße gerne und oft noch Freistöße“, berichtete der Sohn von Österreichs U21-Teamchef Werner Gregoritsch und fand lobende Worte für den FCI. „Ingolstadt wird nichts mit dem Abstieg zu tun haben, sie haben eine sehr kompakte Mannschaft und spielen auch gut nach vorne.“
„Man hat nichts davon, in Schönheit zu sterben“
Trösten konnte das die Oberbayern natürlich kaum. „Am Ende hat man nichts davon, in Schönheit zu sterben. Ich denke, wir hätten auch einen Punkt verdient gehabt“, ärgerte sich Hasenhüttl. Sein Stürmer Stefan Lex sah es entspannter. „Wir haben ein paar knappe Spiele gewonnen, jetzt haben wir eins verloren. Wir sind weiter voll im Soll.“ Wie der HSV haben auch die Ingolstädter schon zehn Punkte gesammelt, neun davon auswärts. Eine famose Bilanz für einen Aufsteiger, fand Hasenhüttl trotz der ärgerlichen Niederlage: „Wenn der HSV von geilen zehn Punkten spricht - was sollen dann wir erst von den zehn Punkten halten?“ (APA/dpa)