Als Lehrling in Europa unterwegs
Eine Schule fürs Leben: Über das Erasmus-Programm haben auch Lehrlinge die Möglichkeit, Auslandspraktika zu absolvieren und wertvolle Erfahrungen zu sammeln – auch in Sachen Kultur und Sprache.
Von Ernst Spreng
Innsbruck –Der 18-jährige Sasa Stojanovic hat heuer seine Einzelhandelslehre bei MPreis abgeschlossen. Der Schwazer war in seiner Lehrzeit für die Feinkost zuständig und ist einer jener Lehrlinge, die über das Programm „Erasmus+“ während der Lehrzeit einen Monat im Ausland waren. Die kleine Insel Malta war heuer im Frühjahr einen Monat lang die Arbeitsstätte des Lehrlings aus Tirol. Sasa ist dabei nicht allein: Pro Jahr sind es im Schnitt über 20 Tiroler Lehrlinge, die ein Auslandspraktikum absolvieren. Tendenz steigend. Österreichweit ist das Bild dabei bunt gemischt. Lehrlinge gehen inzwischen sowohl aus großen Unternehmen ins Ausland – als auch aus kleinen Betrieben. Klassische Berufe sind genauso vertreten wie exotische Lehren – meint Caroline Stanzl, Projektmanagerin dieser Auslandsaufenthalte beim Verein IFA (Internationaler Fachkräfteaustausch): „Wir haben auch schon Uhrenmacher-Lehrlinge oder einen Käsemacher ins Ausland geschickt. Das einmonatige Auslandspraktikum wird immer beliebter.“
Anmeldungsmöglichkeit für Auslandspraktika 2016
Bewerbungsprozedere: In dieser Woche hat IFA (Internationaler Fachkräfteaustausch) die „Erasmus+“-Praktika für Frühjahr und Sommer 2016 ausgeschrieben. Interessierte Lehrlinge müssen bis zum 6. November ihre Bewerbungsunterlagen abgeben.
2016 werden von IFA folgende Destinationen angeboten: Spanien (Sevilla), Nordirland (Belfast), England (Portsmouth), England (Brighton), Irland (Cork), Malta (St. Julians), Malta (Zebbug), Italien (Mailand), Italien (Pistoia), Deutschland (Schleswig), Deutschland (Hamburg), Finnland (Helsinki). Bei den meisten Destinationen können sich Lehrlinge aus allen Lehrberufen anmelden.
Die genauen Termine und nötigen Bewerbungsunterlagen sind unter www.ifa.or.at zu finden.
Für Sasa Stojanovic war der Monat in Malta einer der wichtigsten in der gesamten Lehrzeit. „Ich war in einem sehr großen Lebensmittelmarkt in Malta. Ich habe dabei ganz viele neue Produkte kennen gelernt und auch viele neue Arbeitstechniken, die mir dann in Tirol bei meiner Arbeit sehr geholfen haben“, erklärt Stojanovic. Auch bei seiner Lehrabschlussprüfung konnte er durch sein zusätzliches Wissen aus Malta punkten. „Es ist toll, wenn du bei deiner Lehrabschlussprüfung erzählen kannst, welche Käsesorten in Malta angeboten werden und wie dort Feinkost geschnitten wird. Das hat mir viele Pluspunkte eingebracht“, beschreibt er seine Lehrabschlussprüfung. Auch für Thomas Schrott, bei MPreis für die Lehrlingsausbildung zuständig, hat ein Auslandspraktikum viele Vorteile. „Die jungen Menschen lernen ihren Alltag selbstständig zu organisieren, verbessern ihre Sprachkenntnisse oder lernen eben neue Arbeitstechniken – jeder für sich kommt mit vielen Erfahrungen zurück“, erklärt Schrott. MPreis ist nur ein Beispiel, wie Tiroler Unternehmen Auslandspraktika bei Lehrlingen fördern. „Wir machen das seit rund 20 Jahren. Zuerst haben wir einen oder zwei Lehrlinge pro Jahr geschickt. Jetzt sind es jährlich zwischen acht und zehn Lehrlinge, denen wir diese Möglichkeit bieten“, so Schrott.
Sasa Stonjanovic kann ein Auslandspraktikum während der Lehre nur weiterempfehlen. „Man muss sich überhaupt nicht fürchten. Es gibt immer einen Ansprechpartner und in meiner Lehrlingsgruppe in Malta waren alle von der Freundlichkeit der Ausbildungsbetriebe wirklich begeistert“, erzählt Sasa von seinem Berufsabenteuer auf der Mittelmeerinsel.